Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42619
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 6:25:00 PM
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Islamkunde 41- Islam und Gerechtigkeit - Gesellschaftliche Gerechtigkeit 2 Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen
 
Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Individuelle und gesellschaftliche Gerechtigkeit sind von großer Bedeutung. Die individuelle Gerechtigkeit ist insofern wichtig, da sich der Mensch damit Fortschritt, Steigerung und Vervollkommnung ermöglicht und seine wahre Persönlichkeit entdeckt. Richtet er sich bezüglich Glauben, Moral und Verhalten an das Maß, entfaltet er dadurch seine existentiellen Kapazitäten auf rechtschaffene Art.
Die gesellschaftliche Gerechtigkeit garantiert, dass der menschlichen Gesellschaft ihre Anrechte zugestanden werden und dass es zu keinerlei Unterdrückung und Ungerechtigkeit kommt. Aus diesem Grund nimmt das Thema der gesellschaftlichen Gerechtigkeit einen hohen Stellenwert ein und gehört zu den wichtigsten Prinzipien der Religion. Der Islam besagt, dass eine Gesellschaft nur durch Gerechtigkeit ihren wahrhaftigen Pfad findet.
Religiöse Autoritäten und Reformer haben die Gerechtigkeit nie zu Gunsten der Politik geopfert, und auch nicht für andere Interessen, denn nur durch Gerechtigkeit werden allen gesellschaftlichen Schichten ihre Rechte zugestanden.
Manche islamischen Wissenschaftler, u.a. der Gelehrte Motahhari, sind der Überzeugung, dass zunächst die wahre und genaue Bedeutung von Begriffen wie dem Begriff der gesellschaftlichen Gerechtigkeit erlernt werden sollte, bevor man sich auf inhaltlicher Ebene mit dem Thema befasst. Anschließend sollte man nach Lösungswegen suchen, um Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu verwirklichen. In manchen Fällen wird der Begriff der gesellschaftlichen Gerechtigkeit häufig fehlinterpretiert, so dass die Gesellschaft vom rechtschaffenen Weg abgebracht wird.
Manche Menschen vertreten die Ansicht, gesellschaftliche Gerechtigkeit bedeute das gemeinsame und gleichartige Leben aller Individuen einer Gesellschaft, ganz unabhängig von ihren Umständen und Talenten. Dabei wird die gesellschaftliche Gerechtigkeit nicht gewährleistet, indem alle Menschen durch z.B. gleiche Kleidung oder gleichem Einkommen ein gesellschaftliches Leben führen. Diese Ansicht setze voraus, dass alles in der Gesellschaft Vorhandene aufzuteilen sei, jedes Individuum nur das Lebensnotwendige zu besitzen hätte und die Mühe jedes einzelnen Menschen dem Ausmaß seiner Fähigkeiten entspreche.
Jene Ansicht der gesellschaftlichen Gerechtigkeit wird in der marxistischen Denkschule dargelegt und ist eine rein gesellschaftliche Ansicht. Sie erkennt nur die Gesellschaft als Ganzes an und vernachlässigt das individuelle Leben. Wir werden uns in den kommenden Wochen mit der marxistischen Gesellschaftstheorie befassen und besprechen, warum sie unvollkommen ist und keine Allgemeingültigkeit in sich trägt.
Es gibt eine weitere Auffassung der gesellschaftlichen Gerechtigkeit, die jedem einzelnen Individuum Natürlichkeit und gedankliche Unabhängigkeit zuspricht. Hier wird dem Menschen in seiner persönlichen Entfaltung so viel Spielraum eingeräumt, solange nicht die ökonomische und politische Freiheit beeinträchtigt wird. Es wird zwar den finanziell schwächeren Menschen damit geholfen, indem sie Steuern und Abgaben der Wohlhabenderen erhalten, jedoch ist es den Menschen prinzipiell unwichtig, wie viel der andere verdient.
Der Islam liefert, basierend auf seine wissens- und glaubensbezogenen Grundlagen, eine Ansicht der gesellschaftlichen Gerechtigkeit, die sich von den zuvor genannten unterscheidet. Er verleiht dem Individuum Natürlichkeit und der Gesellschaft eine Identität. Das Wohl der Individuen und gleichzeitig die Interessen der Gesellschaft stehen im Mittelpunkt. Der Islam erkennt daher unbestreitbare Unterschiede zwischen den Menschen und ihren Fähigkeiten an, betont aber zugleich, dass die allgemeinen Möglichkeiten allen Menschen in gleichen Teilen zu Gute kommen sollen, jedem Individuum also gleichermaßen die Möglichkeit zum Wachstum und zur Vervollkommnung gegeben wird.
Eine gerechte, islamische Ordnung beinhaltet demnach zwei Aspekte: Erstens sollten jedem Mitglied der Gesellschaft, unabhängig von seiner Religion und seinem Glauben, die gleichen Bedingungen und Möglichkeiten zur Entfaltung und zur Vervollkommnung gegeben werden. Kein Individuum ist einem anderen vorzuziehen. Zweitens sollten die Leistung und das Ausmaß der Fähigkeit der Menschen beachtet werden. Jede Person erfährt solche Vorteile, die ihren Kapazitäten entspricht.
Der Islam erkennt einen natürlichen Unterschied zwischen den Kapazitäten und dem Ausmaß, in dem die Talente entfaltet werden, an.
Was allgemeine Angelegenheiten der Gesellschaft betreffen, wie z.B. die Nutzung der öffentlichen vom Staat zur Verfügung gestellten Teilhaberschaften, z.B. Wahlberechtigung etc., betrachtet der Islam alle Menschen als gleich und unabhängig von ihren Positionen in der Gesellschaft an. Er schreibt aber auch den Menschen, die durch Ausbildung, Mühe und höhere Fähigkeiten mehr Vorteile genießen, das Recht zu, ihre Vorteile beizubehalten. Zudem hat der Islam auch Regelungen entworfen, die die Armut bekämpfen und den bedürftigeren Menschen gewisse Mittel zusichern.


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