Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42627
Datum der Veröffentlichung : 1/15/2014 6:46:00 PM
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Islamkunde 49 – Islam und Gerechtigkeit: Gesellschaftliche Gerechtigkeit 10 Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.



Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

 

Aller Lobpreis gebührt Gott, Dem Erhabenen, Dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. Oh Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Über Gerechtigkeit, vor allem gesellschaftliche Gerechtigkeit, gibt es viel auszuarbeiten. Wir haben versucht, die wichtigsten Themen zu erwähnen und kurz zu behandeln. Das letzte Thema dieser Untersuchung sind die Hindernisse der gesellschaftlichen Gerechtigkeit. Es ist offenkundig, dass jene, die Gerechtigkeit anstreben und sie in einer Gesellschaft verwirklichen wollen, viel zu opfern haben. Es gibt viele, die die Gerechtigkeit als Parole benutzen, doch sehr wenige, denen es tatsächlich gelungen ist, sie durchzusetzen. Im Laufe der Geschichte waren es immer Menschen mit göttlicher und menschlicher Motivation, die Gerechtigkeit anstrebten. Gerechtigkeit ist für den Menschen nicht profitabel genug, um als materielle Motivation zu dienen. Ziel war immer, zu verhindern, dass den Menschen Unrecht getan wird und zu versichern, dass jedem seine Rechte gewährt werden. Die Reichen und Mächtigen und jene, die durch Gewalt oder Intrige die Gesellschaft ausbeuten wollen, stellten sich den Gerechtigkeitsliebenden in den Weg. Dieser Konflikt war im Laufe der Geschichte immerwährend präsent. So wird es immer eine Gruppe von Menschen geben, die den Versuch der Etablierung von Gerechtigkeit zu hindern versuchen. Es ist daher angebracht, auch die Hindernisse zur Einführung von Gerechtigkeit zu erwähnen, denn die Gerechtigkeit ist in menschlichen Gesellschaften immer auf Probleme, Hindernisse und Einschränkungen gestoßen, die ihrerseits in zwei Gruppen aufgeteilt werden können, nämlich in Individuelle und gesellschaftliche Hindernisse.

Individuelle Hindernisse haben ihre Wurzeln in den Charakteristika und Handlungsweisen der Individuen der Gesellschaft und können auch eine umfassendere, allgemeinere Form annehmen.

Ein individuelles Hindernis kann die Eigensinnigkeit sein, die als Eigenschaft in einem Sachwalter und Verantwortlichen eine wahre Bedrohung darstellt und auch von den Verwandten und Freunden der verantwortlichen Person ausgehen kann. Auch sie werden nämlich aufgrund dieser niederträchtigen Eigenschaft unfair handeln und z.B. den öffentlichen Besitz für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. So schrieb Imam Ali (a.s.) aus seinem Regierungszentrum in seinem Brief an Malik Ashtar Folgendes:

„So wisse, dass die Anführer und Machthaber Freunde und Verwandte haben, die eigensinnig, eigennützig und gierig sind. Sie haben sich daran gewöhnt, die Rechte anderer Menschen zu verletzen und beim Handeln und beim Umgang mit anderen unfair zu sein.“[1]

Zu den Hindernissen der Gerechtigkeit gehört auch die Versuchung und die Einflüsterung durch teuflische Neigungen. Der Heilige Koran erwähnt dies als eine ernstzunehmende Bedrohung:

„Und würde die Wahrheit ihren Neigungen folgen, gewiß würden die Himmel und die Erde und alle, die in ihnen sind, ins Verderben fallen.“ (Al-Muminun: 71)

Die Geschichte zeigt viele Fälle auf, in denen die Neigungen der Herrscher dazu führten, dass die Gesellschaft unterging, weil sie sich von den hohen Prinzipien und Idealen der Gerechtigkeitsliebe entfernt hatte. Imam Ali (a.s.) sagte:

„Wie kann jemand, der sich selbst Unrecht tut, anderen gegenüber gerecht sein? Wer Gerechtigkeit in der Gesellschaft durchsetzen will, muss sich zuerst von den Versuchungen der Triebseele befreien.“[2]

Eigennützigkeit führt dazu, dass Menschen gierig werden und alles machen, um eigenen Interessen zu dienen. Jemand, der die Eigennützigkeit entschlossen bekämpfen möchte und zu verhindern versucht, der wird zweifelsohne auf ernsthaften Widerstand der Profitgierigen stoßen. Manche Menschen können diese Art von Gerechtigkeit nicht ertragen und wechseln dafür auch die Seiten: Es gab z.B. während der Herrschaft von Imam Ali (a.s.) einige gierige Personen, die ihre Wünsche und Interessen der Regierung in Medina darlegten und abgewiesen wurden. Diese wechselten dann die Front und schlossen sich den Gegnern an. Imam Ali (a.s.) erfuhr davon mit und schrieb einen Brief an den Herrscher von Medina:

„Mir wurde berichtet, dass es Menschen in Medina gibt, die sich heimlich den Gegnern der Regierung angeschlossen haben. Lass dich von der Tatsache nicht betrüben, dass du nun nicht mehr mit ihrer Unterstützung rechnen kannst, sie fliehen vor der Rechtleitung und stürzen sich in Ignoranz und gelangen auf Irrwege. Sie haben die Gerechtigkeit erkannt, gehört und gesehen und haben erfahren, dass die Menschen bei uns alle einander gleichgestellt sind. So sind sie geflohen, damit die ihre Interessen retten und anderen ihre Rechte vorenthalten können. Mögen sie fern von Gottes Gnade sein. Bei Gott, sie sind nicht vor Ungerechtigkeit geflohen und haben ihre Zuflucht nicht in Gerechtigkeit gesucht.“[3]

Gier, Wollust und Eigennützigkeit gehören zu den ernsthaften Hindernissen für die Gerechtigkeit. Personen, in denen diese niederträchtigen Eigenschaften innewohnen, werden die Gesellschaft durch ihre Ungerechtigkeit unterdrücken, wenn ihnen die Verantwortung über sie übertragen wird.

Es gibt viele Hindernisse für die gesellschaftliche Gerechtigkeit, so z.B. das Fehlen einer richtigen Struktur, die für das Entwerfen von Gesetzen und Regelungen notwendig ist. Manche internationale Regelungen wurden von profitgierigen und wohlhabenden Menschen entworfen, während aber alle verschiedenen Schichten der Gesellschaft mit Problemen und Schwierigkeiten zu tun haben. Die allgemeine Neigung zur Gerechtigkeit könnte in der Gesellschaft geschwächt werden, was ein weiteres Hindernis für die gesellschaftliche Gerechtigkeit darstellt. Die Gerechtigkeit wird von den meisten Menschen nicht ernst genommen und sie kämpfen nicht für ihre Rechte. So wird die Gesellschaft die wahre Gerechtigkeit nicht erleben. Die Verantwortlichen müssen die Gerechtigkeitsliebe in der Gesellschaft etablieren und die Allgemeinheit muss sich ernsthaft darin beteiligen.

Wenn die Gerechtigkeit richtig erkannt und durchgesetzt wird, führt sie dazu, dass alles seinen richtigen Platz hat. Imam Ali (a.s.) sagte:

„Die Gerechtigkeit weist alle Dinge auf ihren richtigen Platz.“[4]

Es ist die Kunst eines Herrschers, allen Menschen jederzeit ihre Rechte zuzugestehen. Wer dieses Ziel verfolgt, wird reichlich belohnt. Der heilige Prophet (s.a.s.) sagte:

„Eine Stunde gerecht zu handeln ist besser als siebzig Jahre Gottesdienst.“[5]

Dieser Ausspruch unterstreicht den hohen Stellenwert der Gerechtigkeit. Wir hoffen, eines Tages wahre Gerechtigkeit für alle Menschen der Gesellschaft zu erleben.



[1] Nahdsch-ul-Balagha, Brief 53.

[2] Schahri, Rey: Führung im Islam, S. 21.

[3] Nahdsch-ul-Balagha, Brief 70.

[4] Nahdsch-ul-Balagha, 1290, 3/258

[5] Die Lichtermeere, 74/352, aus dem Werk „Dscham-ul-Akhbar“.


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