Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42675
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:20:00 PM
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Islamkunde 66 - Islam und Freiheit 17 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Die Glaubensfreiheit ist eine weitere besondere Form der gesellschaftlichen Freiheiten.
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Die Glaubensfreiheit ist eine weitere besondere Form der gesellschaftlichen Freiheiten. Es besteht kein Zweifel darin, dass sich der Glaube und die Überzeugung auf Ethik und Verhalten tiefgreifend auswirken, wenn der Mensch von etwas überzeugt ist. Seine Gedankengänge verknüpfen sich mit seiner Überzeugung und bestimmen fortan seine Taten.
 
Die arabische Wurzel des Wortes „Aqd“ bedeutet „Bindung“. „Aqida“ ist ein Derivat davon und bedeutet „Überzeugung“. Dieses Wort wird aus diesem Grund so genannt, weil es sich mit dem Wesen des Menschen verbindet. Es kann daher keinen Menschen geben, der von sich behaupten könnte, dass er keinerlei Überzeugung hat. Selbst jene, die nicht an Gott und die Wiederauferstehung glauben, haben darin eine Art Überzeugung, daher besitzt auch ein Ungläubiger oder ein Polytheist eine Überzeugung, jedoch handelt es sich hierbei, um eine unwahre, ungültige Überzeugung.
 
Die Überzeugung eines Menschen wirkt sich zweifelsohne auf seine Taten und sein Verhalten aus. Menschen, die an Gott und die Wiederauferstehung glauben, unterscheiden sich daher in ihren Verhalten und ihrer Lebensweise sehr von jenen, die keinerlei Glauben daran haben. Was bedeutet aber nun die Glaubensfreiheit, und wie unterscheidet sie sich von der Gedankenfreiheit?
 
Zunächst wäre da die Freiheit, sich eine Religion oder Glaubensrichtung auszusuchen. Jeder kann also seine Religion frei wählen. So könnte man sich für eine monotheistische Religion entscheiden oder für eine, die von Menschen erfunden wurde und dessen Ursprung nicht der allmächtige Gott ist. Aus der Sicht der Monotheisten, gelten diese „Menschenreligionen“ natürlich als eine Art Unglaube. Der Westen lässt eine solche Freiheit zu.
 
Eine weitere Bedeutung könnte die sein, dass man sich die Anweisungen und Lehren einer Religion frei aussuchen kann, zu denen man sich verpflichten möchte. Diese Erklärung macht natürlich erst dann einen Sinn, wenn man sich bereits für eine Religion entschieden hat. Dann ließe sich darüber diskutieren, ob man sich denn die Anweisungen und Lehren einer Religion tatsächlich frei aussuchen können sollte, oder ob es eine solche Freiheit doch nicht gibt.
 
Die dritte, mögliche Bedeutung bezieht sich auf religiöse Minderheiten. Können Anhänger von Minderheitsreligionen, oder gar Ungläubige, die an gar keine Religion glauben, ihren (Un-)Glauben frei innerhalb einer gläubigen Gesellschaft praktizieren, oder müssen sie auf ihre Überzeugungen verzichten.
 
Die vierte Bedeutung ist die, dass der Mensch sich prinzipiell an keine Wahrheit binden sollte, weil jede Art von Überzeugung den Mensch in seiner Freiheit einschränkt. Glaubensfreiheit würde demnach die Abwesenheit jeglicher Art von Verpflichtung zu einem Glauben oder einer Überzeugung bedeuten. Der Existentialismus vertritt eine solche Meinung, weil er nämlich besagt, dass sich Glaube und Überzeugung nicht mit Freiheit vertragen.
 
Den hl. Qur’an-Versen wird entnommen, dass der Islam und der hl. Qur‘an die Glaubensfreiheit zulassen, jedoch dabei drei wichtige Prinzipien darlegen:
Erstens hat die Freiheit der Wahl eines Pfades erst dann einen Wert, wenn diese Wahl tatsächlich ungezwungen stattfindet. So sagt der hl. Qur’an: „Wir haben ihm den rechten Weg gezeigt, möchte er nun dankbar oder undankbar sein.“ (Al-Insan | 76:3)
 
Zweitens: Eine Überzeugung darf nicht aufgezwungen werden, weil es sich um eine Angelegenheit des Herzens handelt und solche Angelegenheiten lassen sich nicht erzwingen.
 
Drittens: Der Islam erkennt Gedankenfreiheit an und besteht auch darauf, daher sind blinde Nachahmung oder Zwang in den Glaubensgrundlagen nicht zulässig, und jeder muss durch Argumente und durch Logik seine eigene Überzeugung finden. So tadelt der hl. Qur’an oft jene, die einfach nur blinde Nachahmung praktizieren: „Bringt euren Beweis her, wenn ihr wahrhaftig seid!“ (Al-Baqarah | 2:111) + „Und wenn ihnen gesagt wird: "Folgt dem, was Allah herab gesandt hat", so sagen sie: "Wir folgen doch dem, bei dem wir unsere Väter vorgefunden haben", auch, wenn ihre Väter nichts begriffen hätten und nicht rechtgeleitet gewesen wären?“ (Al-Baqarah | 2:170)
 
Diese und ähnliche Qur’an-Verse unterstreichen die Tatsache, dass der Mensch in seinem Denken frei ist, und dass es außerdem gar nicht vernünftig ist, blind seine Vorfahren nachzuahmen. Diese falsche Tradition sollte zur Seite gelegt und der richtige Pfad sollte anhand des Intellekts gefunden werden. Der hl. Qur’an rügt Menschen, die ihren Glauben nicht anhand von Wissen und Überlegung gewonnen haben, und spricht zu ihnen: „Pfui über euch und über das, was ihr anstelle Gottes verehrt! Habt ihr denn keinen Verstand?“ (Al-Anbiya | 21:67)
 


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