Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42678
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:34:00 PM
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Islamkunde 69 - Islam und Freiheit 20 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

Ein wichtiges Diskussionsthema der Glaubensfreiheit ist die Meinung mancher existentialistischen Denkschulen.


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Ein wichtiges Diskussionsthema der Glaubensfreiheit ist die Meinung mancher existentialistischen Denkschulen. Sie sind der Überzeugung, dass sich religiöser Glaube nicht mit der menschlichen Freiheit verträgt und mit ihr nicht vereinbar ist. Der Mensch kann also nicht an Gott glauben und gleichzeitig frei sein.
Die Beziehung zwischen religiösem Glauben und Freiheit ist in den letzten Jahrhunderten immer ein umstrittenes Thema gewesen. Persönlichkeiten wie Nietzsche und Sartre halten die Religion als ein Hindernis für die Freiheit. Wenn wir uns aber an die wahre Bedeutung der Freiheit erinnern, sehen wir, dass der Glaube und die Freiheit sich nicht widersprechen, der Glaube ist wahre Freiheit. Freiheit bedeutet nämlich Unabhängigkeit vom fremden Dingen und die Fähigkeit, selbst wählen zu können, was man tut. Etwas, wozu man durch die Regeln der Natur, durch die Gesellschaft oder durch den Willen anderer Menschen gezwungen wird, kann nicht als freies Handeln bezeichnet werden.
Der Existentialismus betrachtet den Menschen wie die anderen, natürlichen Phänomene und schreibt ihm keine eigene Identität zu. Dieser Mensch ist nicht frei, wenn er angeblich nicht einmal eine Identität besitzt. Die Identität des Menschen kann aber nicht bestritten werden. Jeder Mensch besitzt eine Identität, die er zu erkennen hat, wodurch er auch Gott erkennen wird.
Selbstkenntnis und Gotteskenntnis sind eng miteinander verknüpft und unzertrennlich. Wer sich über dieses Thema ein wenig nachdenkt, wird selbst darauf kommen, dass man Gott nicht von sich selbst trennen kann. Erkennt man die Wahrheit seiner selbst, befreit man sich „selbst“ von allem außer Gott und dies ist wahre Freiheit. Genauso verhält es sich auch mit der Liebe zu Gott. Der Liebende sieht den Geliebten auch nicht als etwas „fremdes“, er sieht sich als mit ihm verschmolzen und vereint und teilt sein Wachstum und seine Steigerung mit ihm. Wichtig ist dabei, dass er sein animalisches „Ich“ zuerst zur Seite legt, um dann das „menschliche Ich“ und danach das „göttliche Ich“ zu entdecken.
Der Qur’an sagt dazu ganz klar: „Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben und die Er dann sich selbst vergessen ließ. Das sind die Frevler.“ (59:19) Dieser Vers besagt, dass man Gott vergisst, wenn man sich selbst vergessen hat. Das bedeutet, dass der Mensch auf geistliche und spirituelle Art eng mit Gott verbunden ist. Der Qur’an sagt auch: „Und Wir sind ihm näher als die Halsschlagader.“ (50:16) Die Nähe zu Gott schränkt die Freiheit nicht ein. Wenn der Mensch seine wahre Position erreichen will, muss er diese Nähe nutzen, die ihm in die Natur gelegt worden ist, um Gott näher zu kommen und die wahre Gottesdienerschaft, welche die wahre Freiheit bedeutet, erlangen.
Der Islam und der Qur’an sind der Überzeugung, dass der Mensch die wahre Bedeutung der Freiheit in der wahren Definition der Menschheit zu suchen hat. Ein Mensch, der für große und hohe Zwecke erschaffen worden ist, kann seine Freiheit nicht in Identitäts- und Zügellosigkeit sehen. Er hat sich durch einen reinen Glauben und durch Ethik zu steigern und die wahre Menschlichkeit zu erlangen.
Nicht jeder Glaube – ob wahr oder falsch – bringt den Menschen an sein Ziel. Klarerweise kann ein falscher Glaube den Menschen seinem Ziel nicht näher bringen. Die persönliche Ansicht, dass die Religion eine persönliche Angelegenheit und gar eine Geschmackssache ist, ist ein ernsthafter Fehler, der sich in den Gedanken der Menschen breitgemacht hat. Es ist natürlich nicht so, dass der Qur’an und andere himmlische Schriften den Menschen zu einem reinen Glauben aufrufen und dabei Zwang und Gewalt anwenden. Vielmehr ist es eine göttliche Zuwendung. Er schickte seine Propheten, damit sie den Menschen mithilfe der Offenbarung den richtigen Weg und den richtigen Glauben zeigen und verhindern dass sie sich verirren.


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