Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42680
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:44:00 PM
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Islamkunde 71 - Islam und Freiheit 22 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

In der vergangenen Ansprache erwähnten wir, dass die Redefreiheit im Islam als eine gesellschaftliche Freiheit betont wird,

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

 

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

 

In der vergangenen Ansprache erwähnten wir, dass die Redefreiheit im Islam als eine gesellschaftliche Freiheit betont wird, und auch, dass der Islam sämtliche Freiheiten zulässt wenn es um die individuelle und gesellschaftliche Vervollkommnung geht. Das bedeutet, dass jede Art der Freiheit ihre Grenzen hat, wenn die Freiheiten nämlich bedingungslos gegeben sind, dann werden sie nicht zum Fortschritt führen, sondern zu Chaos und zur Einschränkung der Freiheit der Anderen. Es würde nur den Interessen der Menschen und der Gesellschaft schaden. Somit heißt es auch im Artikel der Menschenrechte, dass die freie Praxis von Religion nicht einschränkbar ist, es sei denn, durch das bereits gegebene Gesetz und zum Schutz der Sicherheit, Ordnung, Gesundheit und Ethik der Allgemeinheit, sowie ihrer Rechte und Freiheiten.

Ganz klar befolgt jede Art der Freiheit gewissen Regelungen, und alle Regelungen befolgen gewisse, in ihren jeweiligen Systemen und Ordnungen vorherrschenden, gedanklichen Grundsätzen. Der Islam grenzt die Redefreiheit da ein, wo sie den Regelungen des Islam und seinen Glaubensgrundlagen widerspricht. Die islamischen Glaubensgrundlagen sind Prinzipien, die das Fundament des Islam bilden, wie z.B. die absolut notwendigen Regelungen und Überzeugungen des Islams. Die Themen, wie sie von verschiedenen Forschern oder von Medien, welche sich mit derartigen Diskussionen befassen geschildert werden, unterscheiden sich von dem, was die Allgemeinheit davon erfährt. Eine Religion, welche auf Verstand und Argumenten basiert, hat nichts zu befürchten, wenn sie von Denkern behandelt wird. Genaue, wissenschaftliche Themen sollten auch eher in wissenschaftlichen und akademischen Umgebungen behandelt werden, weil diese Art von Diskussionen unter Laien wahrscheinlich nur Zweifel aufbringen und den Glauben schwächen würden.

Derartige Diskussionen zu veröffentlichen könnte dazu führen, dass man vom richtigen Weg abkommt, was in den religiösen Rechtsurteilen (fatawa) von allen Geistlichen für verboten erklärt worden ist. Es ist natürlich nicht verboten, sich mit solchem Material zu befassen, wenn man es für Forschungszwecke braucht. Wenn es aber die Menschen in die Irre führt und den Glauben in der Gesellschaft korrumpiert, ist es nicht klug, es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, doch es spricht nichts dagegen, es den Denkern und Forschern zur Verfügung zu stellen. Diese studieren dieses Material genau und analysieren es anschließend. So haben manche Rechtsgelehrte wie z.B. Muqadas Ardebili gesagt, dass „irreführende Literatur“ nicht verboten ist, wenn es einen vernünftigen Grund dafür gibt, es zu benützen.

Wichtig ist auch, zu beachten, dass der Schutz der Interessen und Rechte der Gesellschaft für den Islam zu den allerwichtigsten Dingen gehört. Es ist von dermaßen großer Bedeutung, dass manche westliche Wissenschaftler darüber sagen: „Es ist vertretbar, die Freiheit einzuschränken, um die Interessen der Allgemeinheit zu schützen.“ Es ist z. B. allen klar, dass die nationale Sicherheit und allgemeine Ordnung zu den Interessen der Gesellschaft gehören und nicht unter dem Vorwand der Freiheit verletzt werden dürfen. Genau so dürfen unter dem Vorwand der Sprachfreiheit keine Heiligtümer und Überzeugungen verletzt werden. Es scheint, dass in solchen Fällen die nationalen und religiösen Interessen zu beachten sind, und zwar von der gesamten Gesellschaft. Der Islam erlaubt keine Beleidigung von Heiligtümern, und erlaubt auch nicht, dass Schändlichkeit und Sünde und anderes Übel in der Gesellschaft verbreitet werden, so steht im hl. Koran: „Für diejenigen, die es gern möchten, dass sich das Schändliche unter den Gläubigen verbreitet, ist eine schmerzhafte Pein bestimmt im Diesseits und Jenseits. Und Gott weiß, ihr aber wisst nicht Bescheid.“ (24:19) Er besagt auch: „und helft einander nicht zur Sünde und Übertretung.“ (5:2)

Was ganz klar im Islam betont wird, ist dass die Würde der einzelnen Personen der Gesellschaft bewahrt bleibt. So hat jeder das Recht zu leben, zu arbeiten, zu Wohnen und das Recht auf eine Privatsphäre, und überdies darf niemand beleidigt oder erniedrigt werden. So muss auch der Glaube der einzelnen Person respektiert werden. Die Überlieferungen und Diskussionen um dieses Thema sind zahl- und lehrreich, hier begnügen wir uns mit einer Überlieferung über das Erniedrigen von Gläubigen. Wer gezielt einen Gläubigen erniedrigt und beleidigt, damit er vor den Augen der Anderen seinen Wert verliert, dessen Sachwalter wird nicht mehr Gott sein, sondern der Teufel. (Lichtermeere, Band 72, S. 168)

Es wäre angebracht, eine Reihe von intensiven Lehrveranstaltungen hierfür zu veranstalten, damit ganz klar erkannt wird, wie sehr der Islam die privaten sowie gesellschaftlichen Rechte der Menschen beachtet. Dann wird auch klar, dass der Islam nichts außer Gnade, Freundschaft, Innigkeit, Spiritualität, Vervollkommnung, Solidarität und Hilfeleistung für Mitmenschen, sowie die Stärkung der Beziehung mit Gott und den anderen und den guten Umgang mit den Mitmenschen beinhaltet.


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