Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42681
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 8:49:00 PM
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Islamkunde 72 - Islam und Freiheit 23 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg

In dieser Ansprache erörtern wir einige weitere Freiheiten, die vom Islam respektiert werden.


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
In dieser Ansprache erörtern wir einige weitere Freiheiten, die vom Islam respektiert werden. Die politische Freiheit und das Mitbestimmungsrecht über die Regierung sind sehr wichtige Themen, die auch im Westen ernst genommen und als Eigenschaften einer wahren Demokratie bezeichnet werden. Es gibt vieles über die westliche Demokratie zu erzählen, doch wir werden uns hier nur mit einigen ihrer Eigenschaften begnügen, weil es uns nämlich hauptsächlich um das islamische Bild der Demokratie geht.
 
In den Artikeln 20 und 21 der Menschenrechte wird die politische Freiheit unterstrichen. Im Artikel 21 dieser Deklaration heißt es: „Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.“ Und auch: „Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muss durch regelmäßige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.“
 
Die westliche Demokratie beruht aber auf dem Liberalismus. Die göttlichen Regelungen sind in der westlichen Demokratie an keiner Stelle mit einbezogen worden. Die Religion wird von der gesellschaftlichen Szene ferngehalten und ist nur in der privaten, persönlichen Sphäre vorhanden. Im Vordergrund steht die säkulare Weltanschauung.
 
Der Islam respektiert die politische Freiheit der Menschen, doch das Kriterium für diese Freiheiten sind die religiösen Anweisungen. Diese Ansicht schreibt Gott dem Erhabenen, dem Schöpfer der Menschheit, das Recht der Herrschaft zu, und Er ist es, der die Regeln des Lebens durch seinen Propheten darlegt. Er beachtet alle menschlichen Bedürfnisse und baut die Vorherrschaft der Religion auf Gerechtigkeit auf.
 
Der Islam betont, dass es zwischen den politischen Freiheiten der Menschen und der Existenz einer religiösen Ordnung keinen Widerspruch gibt. Der Islam erkennt eine Ordnung an, die eine Reihe von Prinzipien und Grundlagen von der Religion ableitet. Des Weiteren wird jede politische Ordnung durch die Mitwirkung der Menschen geformt. Die Teilnahme des Volkes an der Regierung verleiht ihr erst ihre Gültigkeit.  Das Volk hat das Recht, Stellvertreter zu wählen, welche anhand der religiösen Regelungen, Gesetze entwerfen, die dem Land den wissenschaftlichen, spirituellen und kulturellen Fortschritt ermöglichen. Dies ist immer direkt oder indirekt im Rahmen der Verantwortungen der Regierungsbeauftragten definiert.
 
Ebenfalls gegeben ist das Recht der einzelnen Individuen, die angewendeten Methoden und Strategien der Regierung zu kritisieren und an den Diskussionen über die politische Struktur der Regierung teilzunehmen. Das Volk und die Parteien müssen aber auch die Glaubensgrundlagen berücksichtigen, indem sie ihre Kritik auf Realismus und Fürsorglichkeit basieren. Imam Ali (a.s.) sagte: „Haltet euch mit der Wahrheit nicht zurück.“ (Nahdsch-ul-Balagha, Ansprache 316) Immer wenn er jemandem eine wichtige Position gab, sagte er: „Meide die Heuchler und wähle sie nicht für wichtige Positionen. Wähle immer die Mutigen und die Kritiker, so hörst du zwar bittere Worte, aber dafür mehr Wahrheit.“ (Ebd.)
 
Die Kritik und die Kritiker sind im Islam nicht nur Existent, sie gehören aus islamischer Sicht zur politischen Freiheit. Es gehört zu den Verantwortungen des Volkes, die Regierung zu kritisieren, und die mit der Regierung beauftragten haben diese Kritik zu beachten. So sprach Imam Ali (a.s.) zu Malik al-Aschtar: „Geselle dich oft zu den Wissenschaftlern, und sprich viel mit den Weisen und den Denkern. Sprecht über Dinge, die den Zustand deines Landes verbessern.“ (Nahdsch-ul-Balagha, Brief 56, Absatz 40)
 
In der islamischen, politischen Ordnung haben auch die verschiedenen Gruppen und Parteien das Recht auf eine aktive Präsenz in den verschiedenen Szenen einer Gesellschaft, und auch die Freiheit, die Methoden zu kritisieren oder selber Methoden vorzuschlagen. Ein solches Land wird zweifelsohne Wachstum und Fortschritt erzielen. Es gibt auch weitere Freiheiten, wie z.B. die freie Wirtschaft, das Recht auf Besitz und Kapital und zugleich sind den Besitzern und den Wohlhabenden auch Verantwortungen aufgetragen, die Armut in der Gesellschaft verhindern. Diese Themen werden in den nächsten Ansprachen behandelt.


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