Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42698
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 10:08:00 PM
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Islamkunde 93 – Islam und Spiritualität 20 Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrum Hamburg

In den vergangenen Ansprachen befassten wir uns mit den verschiedenen Arten der Spiritualität und erwähnten auch flüchtig die verschiedenen, spirituellen Strömungen.

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den vergangenen Ansprachen befassten wir uns mit den verschiedenen Arten der Spiritualität und erwähnten auch flüchtig die verschiedenen, spirituellen Strömungen. Zum Abschluss möchten wir nochmals die islamische Sicht der Spiritualität erörtern, damit klarer wird warum diese Sicht allgemeingültig ist. In den vergangenen Ansprachen haben wir zwar schon einige dieser Eigenschaften erwähnt doch eine Zusammenfassung kann diese Ansicht besser erläutern.

Um die wahre Spiritualität zu erkennen, muss man offensichtlich zunächst mehr von den natürlichen Bedürfnissen der Menschen und von ihrer Position in der Existenz erfahren. Ohne diese heilige Neigung im Wesen der Menschen zu kennen, wird es einem nicht gelingen, seine Talente aufblühen zu lassen. Das spirituelle Menschenbild wird nicht der Wahrheit entsprechen und man wird seinen richtigen Platz in der Existenzordnung und der Gesellschaft nicht finden.

Die Lehren der Religion haben dem Menschen Lösungen zur Verfügung gestellt, anhand denen er seine spirituellen Aspekte erkennen und weiterentwickeln kann. Diese Lehren haben ihren Ursprung in der Offenbarung, und ohne sie wird der Mensch nicht dazu imstande sein, die wahre Spiritualität zu erlangen. Jeder wird sich einbilden, auf seine eigene Art spirituell zu sein, obwohl sein Gefühl keine richtige Grundlage haben wird, weil sie nicht auf Kenntnis basiert.

Hier ist es angebracht, den Menschen noch einmal anhand der offenbarten Lehre zu definieren und seinen Platz in der Existenzordnung richtig zu erkennen. Erst dann können wir den richtigen Pfad beschreiten und das wahre Ziel der Schöpfung erkennen, damit wir uns daran orientieren können. Zum Abschluss befassen wir uns mit einigen der wichtigsten Themen der islamischen Spiritualität.

Anhand der islamischen Spiritualität werden sowohl die weltlichen als auch die jenseitigen Angelegenheiten der Menschen geregelt. Beide Aspekte des Lebens werden von der islamischen Spiritualität beachtet. Aus islamischer Sicht sind die beiden Welten nämlich wie zwei Seiten einer Münze. Das Jenseits stellt das verborgene Innere dieser Welt dar und daher beschreibt der Islam jene Menschen als spirituell, die in dieser Welt viel Mühe auf sich nehmen. „Und dass dem Menschen nichts anderes zuteil wird als das, wonach er strebt und dass sein Streben bald sichtbar wird.“[1]

Sie sind immerwährend um ihre Vervollkommnung bemüht und vernachlässigen auch ihre weltlichen Angelegenheiten nicht. Sie sehen das irdische Leben als ein Feld für das Jenseits und befassen sich darin mit ihren spirituellen Angelegenheiten. Für sie ist die Welt somit ein Gebetshaus und ein Ort, wo sich die Freunde Gottes treffen. Ein wahrer Muslim ist der Überzeugung, dass der Islam dem Menschen ein komplettes Programm fürs Leben angeboten hat, damit er sowohl die irdische Welt bebaut als auch sein Jenseits. Er beachtet alle religiösen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Lebens. Der Koran selbst hat dem Menschen die Anweisung gegeben, diese Welt zu bebauen: „Er hat euch aus der Erde hervorgebracht und ließ euch darauf ansiedeln. So erfleht Seine Vergebung, dann bekehrt euch zu Ihm.“[2]

Dieser Vers besagt, dass das Besiedeln der Erde ein Weg zu Gott sein kann. Auf diesem Weg kann man sich seine Zufriedenheit einhandeln und seiner Pflicht nachgehen. Gott spricht den Menschen als Schöpfer an und sagt dass er ihnen nah ist und sie erhört, er weist sehr direkt auf die hohe, spirituelle Kapazität der Menschen hin. In der Spiritualität aus islamischer Sicht ist es auch sehr wichtig, Gott in seinen Absichten mit einzubeziehen. Das verleiht dem Menschen ewigen Fortbestand, denn der Koran betont, dass alles, was einen göttlichen Aspekt hat, ewiglich ist und niemals aufhören wird, zu existieren. „Aber das Angesicht deines Herrn bleibt bestehen - des Herrn der Majestät und der Ehre.“[3]

Aus diesem Grund betont der Koran auch, dass man all seine Bemühungen und seinen Lebensweg an Gott orientieren soll. „Sprich: ,Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.‘[4] Und in den Überlieferungen heißt es, dass man jedes wissenschaftliche Streben auch an Gott zu orientieren hat. „Wer im Namen Gottes lehrt, lernt und handelt, der wird ins große Himmelsreich gerufen.“ Es gilt als erwünscht, den folgenden Vers vor jedem Tagesgebet zu rezitieren: „Seht, ich habe mein Angesicht in Aufrichtigkeit zu Dem gewandt, Der die Himmel und die Erde schuf, und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.“[5]

Dies zeugt davon, dass der Mensch sich vor allem mit seinem wichtigsten, spirituellen Anliegen befasst, nämlich Gott. Diese Neigung wurde dem Menschen in die Natur gelegt und darum wird ihm auch gesagt, dass er all seine Taten in seinem Namen vollbringen soll. Dies ist bei obligatorischen Gottesdiensten wie z.B. Beten und Fasten vorgeschrieben. Bei nicht-obligatorischen Gottesdiensten ist dies nicht notwendig damit sie anerkannt werden, jedoch erwünscht, und zwar immer wenn es um Dinge geht, die den Menschen Gott näher bringen.

Schenkt man Gott in all seinen Absichten eine solche Aufmerksamkeit, dann führt es dazu, dass man alles andere, was nicht mit Gott zu tun hat als minder erachtet und alles umso mehr genießt, was ihn seinem wahren geliebten, nämlich Gott dem Erhabenen näher bringt. Somit ist eine Eigenschaft der islamischen Spiritualität die göttliche Absicht in allen kulturellen, wissenschaftlichen, religiösen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unternehmen und dadurch kann der Mensch die wahre Spiritualität erlangen.

In der islamischen Spiritualität werden dem Menschen verschiedene Verantwortungen übertragen. Er ist für sich selbst, für die göttlichen Anweisungen, für andere und für seine Umwelt verantwortlich. So ist der spirituelle Mensch immer darum bemüht, seine Verbindung zu sich selbst und mit anderen zu befestigen und nimmt diese Verantwortung sehr ernst. Er ist aus islamischer Sicht gerechtigkeitsliebend und stellt sich gegen das Unrecht. Er fühlt sich für das Verantwortlich, was anderen geschieht. Er hilft den Menschen, ob Muslim oder nicht. In der gesellschaftlichen Szene bemüht er sich anhand der Mittel, die ihm zur Verfügung stehen und behandelt seine Mitmenschen immer mit Liebe und Geduld.

Spirituell betrachtet sollten die Menschen Botschafter des Friedens, der Sicherheit und Gesundheit in der Gesellschaft sein und diese Dinge als Ziel anstreben. Im Islam wird die innere sowie die äußere Ruhe anhand der Bindung zu Gott definiert und auf alle anderen Aspekte des menschlichen Lebens erweitert. So sind aus islamischer Sicht Friede und Sicherheit sowohl als Mittel als auch als Ziele sehr wertvoll.

Das Maß ist, was die Spiritualität im Islam betrifft, die wichtigste Anweisung. Es ist nicht zulässig, Spiritualität und inneren Frieden zugunsten von Macht und Reichtum zu opfern, und es ist auch nicht zulässig, sich mit dem Vorwand der Spiritualität und des inneren Friedens aus dem Leben zurückzuziehen. Die islamische Spiritualität legt großen Wert auf Kenntnis, welche durch den Koran und durch die Familie des hl. Propheten gewonnen wird. Der spirituelle Mensch muss sich aus religiöser Sicht darum bemühen, wahre Kenntnis zu gewinnen und das Ziel seiner Schöpfung zu erreichen, indem er sich mit der verborgenen Welt in Verbindung setzt. Er muss daran Denken, dass er dafür erschaffen worden ist, um sich Gott zu nähern. Diese Nähe und Spiritualität sind für ihn Mittel, mit denen er sich das Paradies sowohl im irdischen Leben als auch im Jenseits erbauen kann.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die islamische Spiritualität ein sehr allumfassendes Bild vom Menschen hat. Die Spiritualität verleiht allen Aspekten des menschlichen Lebens eine Bedeutung und malt ein sehr schönes Bild vom menschlichen Leben. Der Mensch muss seine Verantwortungen gebührend beachten, und auch all das, was seine Seele weiterentwickelt sowie all das, was die menschliche Gesellschaft angeht. Erst durch diese Sichtweise werden Friede, Treuherzigkeit, Entwicklung, Freude und Hoffnung das Leben der Menschen prägen.

Zum Schluss sollte erwähnt werden, dass die Spiritualität ein durchaus umfassenderes Thema ist und wir uns hier nicht mit allem befasst haben, was es zu diesem Thema zu sagen gibt. Wir haben uns mit einigen allgemeinen Dingen befasst und auch auf einige Unterschiede mit den neu erschienenen, säkularen Auslegungen der Spiritualität hingewiesen. Wir hoffen, dass Gott der Erhabene uns allen den Erfolg beschert, die religiösen Lehren richtig zu erfassen.



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