Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 42700
Datum der Veröffentlichung : 1/16/2014 10:12:00 PM
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Islamkunde 95 – Frieden und Sicherheit 2 Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Wenn der Islam von Friede und Sicherheit spricht, ist damit nicht nur Friede zwischen den Völkern gemeint.

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn der Islam von Friede und Sicherheit spricht, ist damit nicht nur Friede zwischen den Völkern gemeint. Der Islam hat ein viel umfassenderes Bild von diesen Begriffen und bezieht alles mit ein, worin Friede und Versöhnung erreicht werden kann. Aus islamischer Sicht können z.B. auch Dinge wie Armut, soziale Ungerechtigkeit, Rassendiskriminierung, und Unrecht den Frieden bedrohen und eine Gesellschaft destabilisieren. Deshalb gehört alles, was der Gesellschaft ihren Frieden verleiht, zu den wichtigsten Bedürfnissen des Individuums und der Gesellschaft, wie z.B. die geistige Sicherheit einzelner Personen, sowie der innere und äußere Frieden einer Gesellschaft. Es gibt in der menschlichen Gesellschaft Gruppen, die die Sicherheit als Parole benutzen, doch ihr Handeln entspricht nicht den Zielen, die sie ankündigen. Wir hoffen von ganzem Herzen, dass Sicherheit und Friede – als primäre Bedürfnisse jedes Individuums und jeder Gesellschaft – in all ihren Formen und Stufen verwirklicht werden.

Um Sicherheit zu erlangen, muss man zunächst seine Grenzen erkennen, denn es sind Überschreitungen und Übergriffe, die die gesellschaftliche Ordnung destabilisieren und unsicher machen. Außerdem hat sich eine Gesellschaft da hin zu entwickeln, wo Mann und Frau sich sicher fühlen und keine Zweifel an der Sicherheit ihrer Gesellschaft haben. In den Überlieferungen wird oft betont, dass die Sicherheit der Gesellschaft so zu gewährleisten ist, dass eine schwache, alte Dame auf einer Reise vom Osten zum Westen der Welt von niemandem bedroht oder gar belästigt wird.[1] Es ist auch überliefert worden, dass auch in der Tierwelt eine Art friedliches Zusammenleben erreicht wird.[2]

Ein Studium der islamischen Lehren ergibt, dass diese Religion die verschiedenen Aspekte der Sicherheit betont: die äußere und innere, die natürliche und die existentielle, die lokale und globale, sowie die individuelle und gesellschaftliche Sicherheit. Die Sicherheit und der Friede ist ein wichtiger Bestandteil vieler Bittgebete, die an Gott dem erhabenen gerichtet werden. Im Bittgebet von Abraham (s.), welches im Koran erschienen ist, heißt es:

„Und als Abraham sagte: "Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden, wer von ihnen an Allah und den Jüngsten Tag glaubt"“[3]

Dies ist der Wunsch des Propheten, der über einen hohen, monotheistischen Rang verfügt, und ob dieser Wunsch nun religionsrechtlicher oder existentieller Natur ist, er zeugt von dem großen Wert, den der Edelmutige auf Sicherheit legt. Es ist von Imam Hassan (a.s.) überliefert worden, dass Prophet Muhammad (s.) folgendes Bittgebet zwischen den ersten beiden Zyklen des Mittagsgebets las: „O Schöpfer, ich wünsche mir von dir Erlösung, Erleichterung, Sicherheit, Versorgung und Gesundheit.“[4] Den religiösen Texten wird entnommen, dass der Edelmutige damit die Sicherheit vor Feinden meint. Was sich der Edelmutige hier wünscht, sind die weltlichen Manifestationen der göttlichen Gaben. Dies hat allerdings nicht zu bedeuten, dass es im Jenseits keine Sicherheit gibt, oder dass sie nicht wünschenswert ist. Laut vielen Koranversen und Überlieferungen, gibt es auch im Paradies Sicherheit und sie gilt sogar als die wichtigste Frucht des Paradieses.

Imam Ali (a.s.) schrieb nach seiner Rückkehr von der Schlacht in Siffin einen Teil seines Testaments: „Dies ist was Ali, Sohn von Abi-Taleb und der Anführer der Gläubigen über seinen weltlichen Besitz bestimmt, damit er Gottes Aufmerksamkeit und Zufriedenheit gewinnt, auf dass ihm Zutritt ins Paradies und Sicherheit gewährt wird.“ Die Sicherheit hat also verschiedene Stufen und Aspekte. Manche davon können im irdischen Leben und andere im Jenseits hergestellt werden. Die Menschen können sich zudem von ihrem Schöpfer jede Art der Sicherheit in ihrem irdischen Leben wünschen. Die Mitglieder einer Gesellschaft haben diese Sicherheit anzustreben und die Anführer der Gesellschaften müssen hierfür den Weg ebnen.

 



[1] Die Lichtermeere, Band 52, S. 345

[2] Die Lichtermeere, Band 52, S. 519 und Sulayman Kamil, Band 2, S. 64, Safi Golpaygani

[3] 2:125

[4] Nahdsch-ul-Balagha, Brief Nr. 24


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