Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 52151
Datum der Veröffentlichung : 5/20/2014 12:00:00 AM
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Islamkunde, Teil 114 – Islam und Scharia (Teil: 8)

Arten der Gebote

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten. 

Die Scharia und göttliche Gesetzgebung umfasst sämtliche Lebensbereiche des Menschen, seien es nun die zu erledigenden religionsrechtlichen Verpflichtungen, welche den Maßstab darstellen, oder die Gebote und Verantwortungen, die nicht verpflichtend sind, wie die empfohlenen[1], verpönten[2] und erlaubten[3] Handlungen. Jeder dieser Aspekte kann im spirituellen Wachstum des Menschen eine Rolle spielen.

Arten der Gebote

Allerdings werden die Gebote theoretische und praktische unterteilt.

  • Theoretische Gebote

Unter theoretischen Geboten versteht man Angelegenheiten, die mit den Ideen, Gedanken und dem Herzen in Verbindung stehen. Der Mensch ist verpflichtet den korrekten Weg ihrer Erkenntnis in Erfahrung zu bringen, wie bspw. das Wissen über das Sein und den erhabenen Gott, die Einheit Gottes, Sein Wissen, Seine Macht, Seinen Willen etc. Der Mensch mit durch logische Beweise diese Angelegenheiten bezüglich der Überzeugung in Erfahrung bringen und sollte der Verstand nicht imstande sein diese nachzuvollziehen, so hat dies durch religionsrechtliche und traditionelle Beweise zu erfolgen. Beispielsweise kann man von der körperlichen Himmelfahrt des großen Propheten (s.) und die körperliche Auferstehung nicht mit logischen Beweisen eine sichere Überzeugung erhalten, sodass wir durch religionsrechtliche Beweise davon überzeugt werden müssen.

 

  • Praktische Gebote

Die praktischen Gebote, wonach der religiös verpflichtete handeln muss, lassen sich in zwei Bereiche unterteilen:

  1. Durch den Intellekt nachvollziehbare praktische Gebote

Diese Art von praktischen Geboten sind einzig mit dem Intellekt zu ergründen und der erhabene Gott bestätigt dies auch, wie bspw. die als gut geltende Gerechtigkeit oder das als schlecht geltende Unrecht, die Dankbarkeit gegenüber den Segen und dergleichen. So sind derartige Angelegenheiten, ohne dass der Gesetzgeber (Gott, der erhabene) sich diesbezüglich im Rahmen der Gebote geäußert hätte, durch den Intellekt von selbst nachzuvollziehen. Diese Fälle unterstreichen jene Parole, die besagt:

 

„Alles, was der Intellekt gebietet, wird von der Scharia bestätigt.“

 

  1. Nicht durch den Intellekt nachvollziehbare praktische Gebote

Dies stellen Gebote dar, die nicht durch den Intellekt nachvollziehbar sind, die aber auch zu keiner Zeit von ihm abgelehnt werden, da man weiß, dass der weise Gott stets auf Basis von Weisheit uns diese Gebote auferlegt hat. So können Gottesdienste, wie bspw. das Gebet, Fasten, die Fünftelabgabe und Almosensteuer und dergleichen eindeutig vom Intellekt nachvollzogen werden. Diese Fälle lassen sich aus Sicht der Jurisprudenz in zwei Arten unterteilen:

Erster Teil: Hierbei handelt es sich um situationsbedingte Gebote, wie bspw. die Ehe, Unreinheit, der Besitz usw.

Zweiter Teil: Hierbei handelt es sich um verpflichtende Gebote, die unter den Rechtsgelehrten in fünf Bereiche gegliedert werden: Verpflichtungen, Verbote, Empfohlenes, Verpöntes und Erlaubtes.[4]

Allerdings werden diejenigen Gebote, die nicht zu den situationsbedingten und verpflichtenden gehören, im Rahmen der Ethik unterstrichen, wie bspw. das Verbot zum Lästern, zur falschen Anschuldigung, Verrat und dergleichen.



[1] Empfohlene Gottesdienste, wie die zusätzlichen täglichen Gebete, führen zum Lohnerhalt, wenn man den Erfolg haben sollte sie auszuführen, doch bei ihrer Auslassung hat man keine Sünde begangen und muss hierfür auch keine entsprechende Rede und Antwort stehen

[2] Angelegenheiten, von denen sich der Mensch besser fernhalten sollte, werden verpönte Handlungen genannt, die nicht geahndet werden, da sie nicht zu den Sünden zählen

[3] Erlaubte Handlungen werden solche genannt, die bei ihrer Ausführung oder nicht-Ausführung keinen Unterschied ausmachen

[4] ابن میثم بحرانی، قواعد الحرام، ص 117، السیوری الحلی، ارشاد الطالبین الی منبع المسترشدین، ص 276 و اللوامع الاهیه فی مباحث الکلانیه، ص 222.


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