Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 53623
Datum der Veröffentlichung : 6/17/2014 2:22:30 PM
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Islamkunde, Teil 117 – Islam und Scharia (Teil: 11)

In der islamischen Scharia wird dem Thema Recht auf genaue und umfassende Art und Weise Beachtung geschenkt, so dass sogar in den Vorschriften des Einzelnen, wie den Pflichtgebeten, eine Weisheit und Philosophie vorgesehen worden ist, so dass der Mensch mittels dem Gebet zum wahrhaftigen Frieden, welches sein Menschenrecht darstellt, findet

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten. 

In den letzten Erörterungen wurde auf den wichtigen Punkt hingewiesen, dass die islamische Scharia genau auf das Thema der Rechte und Pflichten der Menschen eingeht und sogar darüber hinaus, wo die Rechte des einzelnen mit den gesellschaftlichen Rechten in Konflikt geraten, die Aufgabe und die Pflicht der Menschen definiert. Es wurde erklärt, dass das „Recht“ etwas darstellt, was dem Einzelnen nützt  – und die Gesellschaft dafür die Verantwortung trägt – und umgekehrt die „Pflicht“ etwas ist, was der Verantwortung  jedes Einzelnen obliegt, jedoch die Gesellschaft den Nutzen davon zieht. Daher existiert zwischen dem Recht jedes Einzelnen und den Pflichten der Anderen eine ausgeglichene Beziehung. In dem Sinne, dass jedes Individuum in der Gesellschaft, im selben Maße wie er Aufgaben und Verpflichtungen trägt, auch Rechte besitzt.

So wie in der Vergangenheit hingewiesen wurde: In Gesellschaften, in denen auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Weisheit gehandelt wird, ist die Beziehung zwischen Recht und Pflicht nicht einseitig – daher lässt sich schlussfolgern, dass jedes Mitglied der Gesellschaft gegenüber der Gesellschaft, aber auch den anderen Individuen, sowohl Rechte als auch Pflichten hat. Es ist nicht richtig, dass der Mensch sich ausschließlich als der Träger von Aufgaben und Verpflichtungen oder ausschließlich als Besitzer von Rechten betrachtet. Es ist klar ersichtlich, dass die Rechte eines Jeden, sich auf das Maß seiner Pflicht und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und Anderen betragen und dass derjenige, der in Bezug auf die Gesellschaft und seinen Mitmenschen keinerlei Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein empfindet, kein Nutznießer der Rechte anderer sein wird.

Trotz dessen muss beachtet werden, dass die Pflicht nur da seine Bedeutung entfaltet, wo auch die Befähigung zur Ausübung vorhanden ist. Somit haben alte und unfähige Menschen, sowie Kranke, denen die Kraft für Taten und Bemühungen im Kreislauf des Lebens fehlt, aufgrund ihrer Unterlegenheit, keine Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft und den Mitmenschen. Deshalb birgt die islamische Scharia, welche auf Barmherzigkeit und Mitgefühl fußt, auch für diese Gruppe der Gesellschaft Konzepte und Gesetze.

In den Lehren des Islam wird berichtet, dass man mit ihnen mit Würde und Respekt umgehen soll und diese berechtigt sind, von ihrem Bürgerrecht und dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben Gebrauch zu machen, als auch, dass ihnen sowohl von der Gesellschaft, als auch der Regierung Respekt gezollt werden soll und dass es niemanden gestattet ist, ihr Recht auf das Weiterführen ihres Lebens außer Acht zulassen. Dass in unseren Überlieferungen gesagt wird: „وَقّروا کِبارَکم“, verhaltet euch gegenüber den Älteren respekt- und würdevoll“, ist die Betonung auf die Wahrung des Rechtes genau dieser Gruppe der Gesellschaft.

In der islamischen Scharia wird dem Thema Recht auf genaue und umfassende Art und Weise Beachtung geschenkt, so dass sogar in den Vorschriften des Einzelnen, wie den Pflichtgebeten, eine Weisheit und Philosophie vorgesehen worden ist, so dass der Mensch mittels dem Gebet zum wahrhaftigen Frieden, welches sein Menschenrecht darstellt, findet.

Da das Gebet, die Bittgebete, sowie andere Vorschriften des Einzelnen, auf diesem Gebiet eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen, wurden sie als Pflicht angesehen und wenn die Menschen gesucht sind den wahrhaftigen Frieden, nicht jedoch die flüchtigen materiellen Freuden, zu erreichen – so ist der Weg zum Erreichen dieses Friedens, jener, den die offenbarten Lehren des Islams definierten. Aus diesem Grund sagt der heilige Koran: „اقم الصلوة لذکری“[1] (Und verrichtet das Gebet zu Meinem Gedenken) und in einem anderen Vers, wird das Gedenken Gottes als die einzige Ursache für den Frieden und das Gefühl der Geborgenheit des Menschen angegeben: „«الا بذکر الله تطمئن القلوب» („Wahrlich, im Gedenken Allahs werden die Herzen ruhig“).[2]

Daher kann behauptet werden, dass alle göttlichen Pflichten daher rühren, dass schließlich alle ihre menschlichen und göttlichen Rechte erreichen. Letztendlich lässt sich sagen, dass der Weg zum Erreichen der wahrhaftigen Seligkeit und des Glücks für die Menschen, durch das Befolgen der Scharia definiert wurde. Hierbei ist wichtig, dass wir wissen und verstehen, dass jeglicher Nutzen und Gewinn, den das Erfüllen der göttlichen Pflichten birgt, zurückgeht auf den Mensch selbst.

Hingegen ist es ganz klar und ersichtlich, dass das Erfüllen keines dieser religiösen Aufgaben und Verpflichtungen einen Gewinn für den erhabenen Gott darstellt, welcher reich ist davon und keiner Seiner Geschöpfe bedarf und all diese Pflichten die Gott uns auferlegt, gleichen den Verpflichtungen, die der Arzt seinen Patienten auferlegt – so, dass das Befolgen der ärztlichen Anordnungen nur zum Vorteil und Nutzen für einen selbst, nicht jedoch zu dem des Arztes ist und dass wenn er den Anweisungen trotzt, nur dem Mensch selbst und der Gesellschaft Schaden zugefügt wird.[3] Wenn der Mensch also nicht gemäß den göttlichen Verpflichtungen handelt und nicht diesen Pfad und Weg einschlägt, so ist es nur der Mensch selbst, der im Verlust ist.

Damit der liebevolle und barmherzige Gott, seinen Segen und seine Barmherzigkeit gegenüber den Menschen in jeglicher Hinsicht vervollkommnet, hat Er die göttlichen Propheten mit dem Konzept für die Rechtleitung für die Menschheit gesandt. Der Dank für diese großartigen Segen äußert sich im korrekten Einhalten der eigenen Pflichten, so dass wir die Ruhe, den Frieden und den Segen in dieser Welt und im Jenseits erreichen. In den Aussagen von Amir al-Muminin (a) lesen wir, dass er sagte: „Gott hat das Heim des Jenseits voller Segen erschaffen und er sandte die Propheten, um die Menschen zu diesem Land des Segens (دارالنعمة) einzuladen. Leider sind einige dieser göttlichen Einladung nicht entgegengekommen und als Ergebnis ihrer Taten, essen sie vom Aas dieser Welt und erleiden dessen Schmach.“[4]

 



[1]طه، 2.     

[2]رعد، 28.  

[3]ملاصدرا، تفسیر القرآن الکریم، ج 2، ص 49.  

[4] نهج البلاغه، خطبه 109، با ترجمه مرحوم دشتی.


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