Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 55769
Datum der Veröffentlichung : 7/15/2014 11:34:59 PM
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Islamkunde, Teil 115 – Islam und Scharia (Teil: 9)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den letzten Erörterungen wurde darauf hingewiesen, dass die islamische Scharia in Anbetracht dessen was gut für den Menschen ist und was zu seinem Verderben führt, ausgerichtet wurde und auch Teilen der Pflichten und Rechte miteinbezieht - unter anderem in Bezug darauf, wem eine Pflicht auferlegt wird und die Definition, dass eine Pflicht, die eines Einzelnen, aber auch die einer Gemeinschaft sein kann.

a) Die Pflichten des Einzelnen: Der Zweck der Pflichten des Einzelnen besteht darin, dass der Mensch als die überlegene Existenz auf der Erde, an Anweisungen gebunden sein muss.
So, dass manche Taten ausgeführt werden müssen, wie das Gebet, welches in jeder Situation eine Pflicht und Notwendigkeit für den Menschen darstellt - ob er nun alleine oder in einer Gemein- und Gesellschaft lebt. Einige Taten müssen ebenso unterlassen werden, wie das Trinken von Alkohol oder das Glücksspiel, wo es in jeder Situation für den Menschen religionsrechtlich verboten (haram) ist, diesen Taten nachzugehen und es wurde dem Menschen an keiner Stelle die Erlaubnis gewährt, diesen Haram-Taten nachzugehen.

b) Die Pflichten der Gemeinschaft: Gemeinschaftliche Pflichten nennt man Anordnungen, welche einen gemeinschaftlichen Charakter haben und in Anbetracht der Interaktion des Einzelnen mit den Personen der Gemeinschaft, wurden diesem eine Reihe Pflichten und Aufgaben auferlegt. Als Beispiel, wenn ein Mensch alleine auf der Erde leben würde, so könnte er an jedem beliebigen Ort sein Leben bestreiten und es würde keinerlei Einschränkung für ihn gäben. Aber sobald ein Ort bzw. ein Grund und Boden im Besitz einer anderen Person sein kann, ist die Anwesenheit einer Person auf jenem Grundstück ohne das Einverständnis und die Erlaubnis des Besitzers nicht erlaubt, bei Zuwiderhandlung  würde man sich einer „unrechtmäßigen Wegnahme“ schuldig machen; sowie bei Transaktionen mit anderen, dem religiös Reifen eine Gesetzesordnung, sowie Pflichten auferlegt worden sind, die er kennen und nach ihnen handeln muss.
Diese Verordnungen rundum die Aspekte des gesellschaftlichen Lebens, stellen die Gesetzesordnung der Gesellschaft dar - wobei es Verordnungen dieser Art sehr viele im Islam gibt. Damit die Gesellschaft nicht in einer Anarchie versinkt, wurden Gesetze auf diesem Gebiet verabschiedet, wobei das Einhalten dieser Gesetze bewirkt, dass die Rechte eines Jeden ihre Verwirklichung finden.

Diese Unterteilung dient in Wahrheit der Verbesserung der Beziehung des Menschen zu sich selbst und zur Gesellschaft und bewirkt, dass die Menschen den richtigen vom falschen Weg, unter der Berücksichtigung der religiösen Werte und Kriterien, unterscheiden können.
Infolge dieses Blickwinkels auf die Scharia, stellt sich als das Wesentliche heraus, dass der Islam für die Regelung und Verbesserung der Beziehung des Menschen zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zu seinem Schöpfer, umfassende Urteile sowie Gesetze und Befehle definiert hat, sodass der Mensch im Laufe seines Lebens nicht mit Schwierigkeiten beim Erkennen des richtigen Weges konfrontiert wird, sondern stattdessen sich bemüht mit dem Erfüllen der Pflichten, die für ihn vorgesehene Vollkommenheit, zu erreichen.

Beim genauen Betrachten der göttlichen Verse, stellt man fest, dass dem Menschen, in jeder Lage er sich auch befinden mag, eine Pflicht auferlegt worden ist und dies aus dem Grund , damit der Mensch in Glaubensfragen und im Bereich der Moral und der Tat nie ohne Antwort verbleiben muss. Es ist hierbei jedoch ersichtlich, dass die Zusammensetzung der Urteile und Gesetze, nicht nur eine trockene und klischeeartige Abfolge von Befehlen ist, sondern, dass wenn man die Philosophie der Urteile und Gesetze betrachtet, man erkennt, dass sie alle auf der gottgegeben Natur des Menschen ("Fitra") fußt und dass an keiner Stelle Zwang existiert - daher ist es, dass in dem edlen Vers: >> لَقَدْ أَرْ سَلْنَا رُ سُلَنَا بِالْبَيِّنَاتِ وَأَنزَلْنَا مَعَهُمُ الْكِتَابَ وَالْمِيزَانَ لِيَقُومَ النَّاسُ بِالْقِسْطِ << („Wahrlich, Wir schickten Unsere Gesandten mit klaren Beweisen und sandten mit ihnen das Buch und das Maß herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit üben möchten“), dem Wort « لیقومَ » eine tiefe Bedeutung zuteil wird und daher nicht von dem Wort « لِیُقیم » gebrauch gemacht wurde. Der Unterschied zwischen diesen Beiden liegt darin, dass Ersteres keinen Zwang und keine Auferlegung in seiner Bedeutung impliziert - sprich, wenn jemand korrekte Kenntnis über die göttlichen Gesetze hat, so wird er, da sie gemäß der Natur des Menschen aufgestellt wurden, ihnen nachkommen und beabsichtigen diese in die Tat umzusetzen, nicht jedoch, dass er gezwungen ist dies zu tun. Möglicherweise ist dieser Begriff verwendet worden, da alle göttlichen Verordnungen auf der Grundlage der gemeinsamen Natur aller Menschen, vom erhabenen Gott definiert wurden.

Aufgrund dessen, sagt der allmächtige Gott in einem anderen Vers: >>فاقم وجهک للدین حنیفاً  << („So richte dein Antlitz in aufrichtiger Weise auf den Glauben“) und im weiteren Verlauf des Verses: >> فطرت الله التی فطر الناس علیها << („(dies entspricht) der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen geschaffen hat.“) - all jene Gesetze wurden entsprechend der erschaffenen Natur des Menschen angeordnet und es ist ganz klar, dass die göttliche Natur des Menschen weder veränderbar noch umwandelbar ist und im Inneren eines jeden Menschen auf gleiche Art und Weise existiert. Denn >> لا تبدیل لخلق الله  << („Es gibt keine Veränderung an Allahs Schöpfung“), deshalb ist die Beachtung dieses Aspekts der Zusammensetzung der Urteile notwendig und anhand dieser Art von Versen lässt sich darüber hinaus, die Natürlichkeit aller göttlichen Gesetze feststellen und akzeptieren und dies ist ein großer Segen, welcher in den Versen der heiligen Sure Ar-Rahman immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Man solle nicht in eine Situation kommen, an dem man all die Segnungen Gottes vergisst und daher wird in verschiedenen Teilen der Verse dieser heiligen Sure gesagt: >> فَبِأَيِّ آلَاءِ رَ بِّكُمَا تُكَذِّبَانِ << („Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen?“). Das Wiederholen dieses Verses richtet unser Augenmerk darauf, jeden göttlichen Segen zu erkennen und dem Schöpfer für die Segnungen zu danken und es ist offensichtlich, dass wenn man den göttlichen Gesetzgebungen eine genaue Beachtung schenkt, man gewiss zu dem Ergebnis kommt, dass der größte Segen, nach der Bereitstellung aller existierenden Möglichkeiten für den Menschen, der Segen der Gesetzgebung und den  Anordnungen Gottes ist, die dem Menschen zur Verfügung gestellt wurden. Der Segen Gottes ist hierbei so immens, dass der Prophet (s.) und seine fehlerlosen Nachkommen (as) für die Erklärung und Deutung der Verordnung  eingesetzt und ausgewählt wurden, damit diese die göttlichen Verse für uns in korrekter Weise erläutern und uns den rechten Pfad aufzeigen, sodass wir auf unserem Weg nicht von jenem abweichen.

 


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