Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 56899
Datum der Veröffentlichung : 8/5/2014 7:29:33 PM
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Islamkunde, Teil 122 – Islam und Scharia (Teil: 16)

Das Gebet als ein göttliches Gebot verfügt über weitläufige persönliche und gesellschaftliche Einflüsse zur Korrektur der menschlichen Beziehungen. Genauso wie es auf persönlicher Ebene die Spiritualität des Menschen erhöht, entfaltet es auch in der Stärkung der Beziehung zu Gott und den Menschen diese wichtige Rolle

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Hinsichtlich der Beziehung zwischen der Moral und der Scharia gibt es zahlreiche Abhandlungen. Doch da das Gebet in allen himmlischen Religionen und Rechtsschulen als eine Notwendigkeit der Religion unterstrichen wird, ist es angemessen auf die Beziehung zwischen dem Gebet und göttliches Gebot und der Moral sowie Spiritualität einzugehen.

Aus den Versen und Überlieferungen geht eindeutig hervor, dass der Mensch für den wichtigen und eigentlichen Zweck erschaffen wurde an die Wahrheit zu gelangen und der erhabene Gott hat alles bereitgestellt, um an diese Wahrheiten zu kommen. Zu jenen Werkzeugen mit denen man zur Wahrheit gelangt, gehört das Gebet, welches die wichtigste Rolle in der Religion spielt. In Wahrheit ist das Gebet das wichtigste Mittel zur Gottesnähe. Wenn man sich in diesem Zustand begibt, so ist es eindeutig, dass man in Wahrheit an die Wurzel der Spiritualität, welches jene Gottesnähe und göttliches Leben darstellt, gelangt. So steht in einer Überlieferungen von Imam Hassan al-Asgari (a.):

إِنَّ‏ الْوُصُولَ‏ إِلَى‏ اللَّهِ‏ عَزَّ وَجَلَّ سَفَرٌ لايُدْرَكُ إِلَّا بِامْتِطَاء اللَّيْلِ مَنْ لَمْ يُحْسِنْ أَنْ يَمْنَعَ لَمْ يُحْسِنْ أَنْ يُعْطِيَ

"Das Ankommen bei Gott ist eine Reise, in dessen Segen der Mensch nicht kommen wird, außer durch das Gebet und die nächtlichen Gottesdienste." [1]

Von Imam Baqir (a.) wird überliefert: "Das Gebet ist bei dem erhabenen Herrn derart bedeutend, dass wenn jemand es in einer Art und Weise verrichtet, dass es bei Gott angenommen wird, so auch seine anderen Gottesdienste angenommen werden."  [2]

 

أَوَّلُ‏ مَا يُحَاسَبُ‏ بِهِ‏ الْعَبْدُ الصَّلَاةُ فَإِنْ قُبِلَتْ قُبِلَ مَا سِوَاهَا و ان رُدَّت رُدَّ ما سِوَاهَا

Diese Aufmerksamkeit auf das Gebet rüht daher, dass es als göttliches Gebot sowohl beim Wachstum des Menschen hin zu den Gipfeln der Spiritualität und Moral Einfluss ausübt, als auch das beste Heilmittel für die geistigen Krankheiten darstellt. Es kann bis zu einem gewissen Grad auch den Glauben und die Stellung des Menschen erkenntlich machen, da er beim Gebet durch die Erkenntnisse des Herzens die Pracht Gottes sehen kann. Jeden Tag zeigt er dem erhabenen Herrn mehrmals seine volle Aufmerksamkeit und das Streben nach Nähe auf und bezeugt als ein Verliebter, welcher sein Herz verloren hat, seinem Geliebten seine spirituelle Anwesenheit.

Das Gebet hat in der Reise von der Zerstreuung hin zur Einheit und vom Geschöpf hin zum Schöpfer eine unvergleichliche Rolle. Der Gläubige kann sich durch die Entwerdung in den Namen und Eigenschaften Gottes zu den höchsten Stufen und Gipfeln der Spiritualität, welches die Überzeugung ist, bringen:  وَ اعْبُدْ رَبَّكَ حَتَّى يَأْتِيَكَ الْيَقينُ [3]

Auch in der islamischen Mystik wird sich dieser Thematik gewidmet, dass wenn der Mensch zur Wahrheit der Schönheit und Spiritualität gelangen möchte, er den Pfad der Scharia und der göttlichen Gebote zu beschreiten hat. Die Scharia ist der einzige Weg zur Erreichung der Wahrheit und Spiritualität und das bis zum letzten Augenblick des diesseitigen Lebens. Demnach ist der Gedanke falsch, dass wenn man durch die Scharia zur Überzeugung und der Wahrheit der Spiritualität gelangt, man diese nicht mehr benötigt. Wenn der Mensch an die Gipfel der Spiritualität ankommen sollte, so gibt es auf jenen Gipfeln Stufen, die seinen Bedarf nach der Scharia mehr als noch zuvor steigern. Weiterhin zeigen sich die Bedrohungen auf jeder Stufe anders und dies führt zur Bedarfssteigerung des Menschen nach einem Zufluchtsort, wo er sich auf jeder Stufe und zur jeder Gelegenheit retten und flüchten kann. Dies ist der erhabene Gott, der auf allen Stufen der Vervollkommnung des Menschen ihm Zuflucht gewährt, wie auch in der Sura Fatiha dargelegt wird: إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ إِيَّاكَ نَسْتَعينُ [4]

 

Das Gebet, welches mit Genauigkeit in seinen Bedingungen verrichtet wird, steigert die Anwesenheit des Herzens und die Gottesfurcht sowie zur Entwerdung des Menschen in die Pracht und Schönheit Gottes. Ein Mensch mit einer solchen Aufmerksamkeit und Anwesenheit zieht Erkenntnisse aus den Qualen, die anderen widerfahren, wie auch im gesegneten Vers auf diese Wichtigkeit hingewiesen wird:

 إِنَّ في‏ ذلِكَ لَذِكْرى‏ لِمَنْ كانَ لَهُ قَلْبٌ أَوْ أَلْقَى السَّمْعَ وَ هُوَ شَهيدٌ [5]

"Hierin liegt wahrlich eine Ermahnung für den, der ein Herz hat oder zuhört und bei der Sache ist."

Doch wenn eine solche geistige und spirituelle Haltung für den Menschen nicht besteht, so ist man ersten Bedrohungen ausgesetzt, sodass das Herz rostet und nicht mehr allzu empfänglich für Einflüsse wird, worauf im gesegneten Vers hingewiesen wird:

كَلاَّ بَلْ رانَ عَلى‏ قُلُوبِهِمْ ما كانُوا يَكْسِبُونَ [6]

"Nein, jedoch das, was sie zu tun pflegten, hat auf ihre Herzen Schmutz gelegt."

 

In einer Überlieferung von Imam Baqir (a.) wird berichtet:

مَا مِنْ‏ عَبْدٍ إِلاّ وَ فِي‏ قَلْبِهِ‏ نُكْتَةٌ بَيْضَاءُ فَإِذَا أَذْنَبَ ذَنْباً خَرَجَ فِي النُّكْتَةِ نُكْتَةٌ سَوْدَاءُ فَإِنْ تَابَ ذَهَبَ تِلْكَ السَّوَادُ وَ إِنْ تَمَادَى فِي الذُّنُوبِ زَادَ ذَلِكَ السَّوَادُ حَتَّى يُغَطِّيَ الْبَيَاضَ فَإِذَا غَطَّى الْبَيَاضَ لَمْ يَرْجِعْ صَاحِبُهُ إِلَى خَيْرٍ أَبَداً وَ هُوَ قَوْلُ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَ‏: كَلَّا بَلْ رانَ عَلى‏ قُلُوبِهِمْ ما كانُوا يَكْسِبُونَ [7]

"Es gibt keinen Menschen, außer dass sich in seinem Herzen eine weiße Stelle befindet. Wenn er sündigt, so entsteht eine schwarze Stelle auf ihr und wenn man bereut, entfernt sie sich wieder. Doch wenn man derart sündigt, dass jene weiße Stelle sich vollständig verfinstert, so wird dem Besitzer jenes Herzens kein Segen mehr widerfahren, welcher in diesem Vers gemeint ist: "Nein, jedoch das, was sie zu tun pflegten, hat auf ihre Herzen Schmutz gelegt.""

Doch wenn der Mensch beim Gebet als wichtigsten Pfad zur Erreichung der Spiritualität dem erhabenen Gott Aufmerksamkeit schenkt, so wird ihm im selben Ausmaß vom erhabenen Gott Hilfe und Aufmerksamkeit zuteil, wie auch in einer Überlieferung von Imam Baqir (a.) berichtet wird, der vom Gesandten Gottes (s.) erzählt:

إِذَا قَامَ‏ الْعَبْدُ الْمُؤْمِنُ‏ فِي صَلَاتِهِ نَظَرَ اللَّهُ إِلَيْهِ أَوْ قَالَ أَقْبَلَ اللَّهُ عَلَيْهِ حَتَّى يَنْصَرِفَ وَ أَظَلَّتْهُ الرَّحْمَةُ مِنْ فَوْقِ رَأْسِهِ إِلَى أُفُقِ السَّمَاءِ وَ الْمَلَائِكَةُ تَحُفُّهُ مِنْ حَوْلِهِ إِلَى أُفُقِ السَّمَاءِ وَ وَكَّلَ اللَّهُ بِهِ مَلَكاً قَائِماً عَلَى رَأْسِهِ يَقُولُ لَهُ أَيُّهَا الْمُصَلِّي لَوْ تَعْلَمُ مَنْ يَنْظُرُ إِلَيْكَ وَ مَنْ تُنَاجِي مَا الْتَفَتَّ وَ لَا زِلْتَ مِنْ مَوْضِعِكَ أَبَداً [8]

"Wenn der gläubige Mensch zum Gebet steht und mit seinem Herzen Gott Aufmerksamkeit schenkt, so schenkt auch Gott ihm Seine Aufmerksamkeit bis das Gebet beendigt wird, welches er als Schirm seiner Barmherzigkeit platziert hat. Der Umfang dieses Schirmes der Gnade beginnt über dem Kopf des Betenden und reicht bis zum Horizont des Himmels."

Das Gebet als ein göttliches Gebot verfügt über weitläufige persönliche und gesellschaftliche Einflüsse zur Korrektur der menschlichen Beziehungen. Genauso wie es auf persönlicher Ebene die Spiritualität des Menschen erhöht, entfaltet es auch in der Stärkung der Beziehung zu Gott und den Menschen diese wichtige Rolle.

Wir haben in dieser Sitzung das Gebet als ein Beispiel aufgeführt, welches auf die enge Beziehung zwischen der Moral und der Spiritualität hinweist. Diese Beziehung kann man nun in allen anderen göttlichen Geboten und der herrlichen Scharia wiederfinden. Alle göttlichen Gebote üben einen solchen Einfluss auf den Grist des Einzelnen und der Gesellschaft aus, sodass die Sicherheit und Harmonie in der Gesellschaft hergestellt werden. Genauso wie das Gebet ihre Rolle zur Hinwendung zu den Tugenden und Abwendung von den Verwerflichkeiten entfaltet, übt auch der Besitz von guten und schlechten Charaktereigenschaften in der Gewichtung der Akzeptanz des Gebets eine Rolle aus. So steht in den Überlieferungen, dass wenn der Mensch ein Stück Stolz im Gebet hat oder es mit der Absicht der Selbstdarstellung verrichtet, so hat jenes Gebet keinen Wert und aus religionsrechtlicher Sicht ist es in gewissen Fällen ungültig. Es ist ein überaus wichtiger Punkt, dem man Aufmerksamkeit schenken muss, dass die Beziehung zwischen den moralischen Geboten und den religionsrechtlichen Geboten äußerst eng ist und dass die Ignoranz hinsichtlich dessen dazu führt, dass keiner der Gottesdienste ihre besondere Stellung finden kann.

Als Ergebnis dieser Sitzung erhalten wir, dass alle göttlichen Gebote wie das Gebet, Fasten, die Pilgerfahrt und sogar Gebote, die äußerlich finanzieller Natur sind, wie die Fünftelabgabe oder die Almosensteuer, eine äußerst enge Beziehung mit den moralischen Geboten und den spirituellen Angelegenheiten haben. Wenn die Gepflogenheiten und Geheimnisse von ihnen allen mit Genauigkeit ausgeführt werden sollten, so wird die menschliche Gesellschaft die umfassende moralische Seite der Religion kennenlernen und sehen.



[1] Bihar ul-Anwar, B. 75, S. 380

[2] Bihar ul-Anwar, B. 7, S. 267

[3] Heiliger Qur'an, 15/99

[4] Heiliger Qur'an, 1/5

[5] Heiliger Qur'an, 50/37

[6] Heiliger Qur'an, 83/14

[7] Usul ul-Kafi, B. 2, S. 273

[8] Wasail u-Shia, B. 4, S. 32


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