Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 59088
Datum der Veröffentlichung : 9/12/2014 6:19:03 PM
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Islamkunde, Teil 124 – Islam und Scharia (Teil: 18)

Freitagsansprache vom 12. September 2014

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In dieser Sitzung widmen wir uns der Zusammenfassung der Thematik „Islam und Scharia“. In den letzten Sitzungen kamen wir zum Ergebnis, dass der Islam im Besitz einer umfassenden Scharia [1] ist, welche für jede Zeit, an jeden Ort und für alle Menschen da ist. Der islamischen Jurisprudenz obliegt die Pflicht, die Gebote dieser umfassenden Scharia zu erklären. Und so waren die islamischen Rechtswissenschaftler unter den schwersten Vorzeichen stets bestrebt, die göttlichen Gebote aus den Quellen zu extrahieren und die korrekte Lebensweise den Muslimen beizubringen. Die Kenntnis zur Extrahierung, erlangt man durch das Studium der selbstständigen Rechtsfindung aus den Quellen der islamischen Rechtswissenschaft. Es stellt jenen sicheren Weg dar, der uns an die islamsiche Scharia bringt. Die islamische Rechtswissenschaft stellt eine Wissenschaft dar, die in enger Beziehung zu anderen Wissenschaften wie der Ethik, der praktischen Mystik und der Erziehung. Sie üben im Ergebnis sogar aufeinander Einfluss aus. Allerdings benötigt man die islamische Rechtswissenschaft bis ans Lebensende dieser Welt. Es kann keinen Zeitpunkt geben, in dem man sie nicht mehr benötigen würde. Wenn also der Mensch danach bestrebt ist, sich selbst zur Vervollkommnung zu bringen, so übt jede dieser Wissenschaften eine Rolle zur Vervollkommnung aus. Als Beispiel wurde aufgeführt, dass ethische Vorzüge in der besseren Nutzung der religionsrechtlichen Gebote eine Rolle spielen. So haben diejenigen, die im Besitz von Aufrichtigkeit, Keuschheit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und derartiges sind, einen größeren Nutzen aus den gottesdienstlichen Handlungen, die die Scharia aufzeigt. Natürlicherweise haben dann auch diejenigen, die im Besitz von ethischen Schwächen wie Lügen, Nachträglichkeit, Eifersucht und dergleichen sind, ein großes Hindernis zur Akzeptanz ihrer gottesdienstlichen Handlungen vor sich. Andererseits übt die islamische Jurisprudenz in der Entstehung moralischer Vorzüge und der Entfernung von ethischen Schwächen einen unverkennbaren Einfluss aus. Wenn bspw. jemand das Gebet verrichtet, so haltet ihn eben jenes Gebet vom Falschen fern. Sollte man dann die Etikette des Gebets stärker berücksichtigen, wird die Ruhe und Entspannung verstärkt. Diese Stufe der seelischen Ruhe und Entspannung bleibt für einige Menschen bis ans Lebensende ständig bestehen. Der heilige Qur’an weist auch auf diesen Punkt stets hin: وَ أَقِمِ الصَّلاةَ لِذِكْري [2] sowie أَلا بِذِكْرِ اللَّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُ [3].

Hinsichtlich der Beziehung zwischen der islamischen Jurisprudenz und der praktischen Mystik, verhält es sich ebenso. Jener Mystiker, der bei der Befolgung der religionsrechtlichen Gebote sehr genau ist, hat einen höheren Nutzen aus der Jurisprudenz als andere. Mit besonderer Aufmerksamkeit und der seelischen Reflexion ist er bestrebt, sich durch die vollkommene Gefolgschaft der Gebote des erhabenen Gottes zur spirituellen Annährung an Ihn zu bringen und sie von Tag zu Tag zu vergrößern. Der Mystiker sieht die islamische Scharia zur Beschreitung seines mystischen Pfades als eine Notwendigkeit an und weiß sich zu keiner Zeit von ihr losgelöst.

Die Beziehung zwischen der Wissenschaft der islamischen Jurisprudenz und der Erziehung ist äußerst klar. Der Einfluss der Jurisprudenz auf die Erziehung sowie der Erblühung der Begabungen ist derart tief, dass man bei der Handlung entsprechend den religionsrechtlichen Geboten der Scharia zu diesem Ergebnis ihres erzieherischen Aspekts gelangt. Die islamische Jurisprudenz dient zur Entfaltung aller bestehenden Begabungen und Kapazitäten und übt hierbei einen unvergleichbaren Einfluss aus. 

Hinsichtlich der Beziehung zwischen dem Recht und der Verpflichtung in der islamischen Scharia erhalten wir das Ergebnis, dass überall wo die Gebote der Scharia sein sollten, dort auch das Recht sein wird. Diese beiden Punkte erfordern sich gegenseitig und stellen zwei Seiten einer Münze dar. Dieses wird hinsichtlich der Angelegenheit des Rechts des Menschen sehr deutlich: Sollte eine Person in der Pflicht eines anderen stehen, so hat dieser ihm gegenüber ein Recht, wie das Recht und die Pflicht von Ehemann und Ehefrau oder das der Eltern gegenüber den Kindern und umgekehrt die Beziehung des Volkes zur Regierung und dergleichen. Doch die Pflichten, die sich auf das Recht Gottes beziehen, wie das Gebet, haben keinen Nutzen für den erhabenen Gott. Er hat sie zur Rechtleitung der Menschen als Gnade für sie alle gesetzt und durch Seine Propheten den Weg der Glückseligkeit gekennzeichnet. Was in dieser Hinsicht wichtig ist, ist festzuhalten, dass die göttlichen Gebote in der Scharia des Islams göttliche Segen darstellen. Wären sie nicht existent, würde der Mensch die Richtung seines Lebens nicht in korrekter Art und Weise kennen.

Zu den bemerkenswerten Punkten zählt, dass alle religiös Verpflichteten bis an ihr Lebensende der Scharia bedürfen, sogar diejenigen, die bereits die göttliche Nähe erlangt haben. Auch sie, die die Stufen zur Vervollkommnung beschritten haben, müssen ihre persönlichen und gesellschaftlichen Gebote erfüllen und bedürfen sogar noch stärker die Scharia. Sie sind wie diejenigen, die zahlreiche Treppenstufen hinter sich gelassen haben. Gewiss benötigt so jemand einen stärkeren Schutz und muss mehr auf sich Acht geben, da größere Gefahren auf ihn lauern. Sollte jemand von Neid, Selbstverliebtheit, Hinterhältigkeit und derartigem befangen sein, wird dies zu seinem Fall führen.

Zu den weiteren wichtigen Punkten bei der Scharia zählt, dass man allen göttlichen Geboten und Gesetzen Aufmerksamkeit schenken muss, um eine umfassende und vollständige Analyse vorstellen zu können. Ohne Zweifel ist die Gesamtheit der göttlichen Gebote und die islamische Scharia, für die Rechtleitung der Menschen da. Sie sollen nicht in Richtung der Abweichung vom rechten Pfad kommen. Allerdings sieht sie Strafen für diejenigen vor, die Verbrechen begehen, was in gesellschaftlichen Ordnungen eine natürliche Angelegenheit darstellt. Ohne Zweifel sind diejenigen, die im Namen des Islams Gewalt, entweder Unwissende oder Spielpuppen in den Händen der Gegner des Islams. Wie dem auch sei hat die Scharia des Islams für Gesetzesbrecher Strafen vorgesehen, wie auch andere gesellschaftliche Ordnungen für sie Strafen vorgesehen haben. Sie dienen dazu, dass die Gesellschaft auf korrekte Art und Weise verwaltet werden kann, welches logisch und notwendig ist.

Hinsichtlich der Beziehung der islamischen Scharia mit der Ethik, praktischen Mystik und der Erziehung stehen genaue Diskussionen zur Debatte. Zusammengefasst besteht zwischen der Scharia als Wissenschaft der islamischen Jurisprudenz, die sich der Erklärung der persönlichen, gesellschaftlichen, diesseitigen und jenseitigen Pflichten der Muslime widmet, und der Ethik sowie Spiritualität eine enge Beziehung. Sie üben einen wechselseitigen Einfluss aufeinander aus. Dieselbe Beziehung besteht zwischen der Scharia und der praktischen Mystik sowie der Erziehung.

Das Ergebnis der Diskussionen zur Sichtweise des Islams im Hinblick auf die Scharia ist, dass die Scharia als Sammlung der Gesetze und Vorschriften des Lebens zur Erleuchtung ihres Sinns ein Teil der Religions des Islams ist und zu den wichtigen Faktoren der Charakterbildung des Menschen zählt. Der erhabene Gott hat durch den großen Propheten (s.) den Weg für uns erleuchtet, damit der Mensch nicht den Weg der Verirrung geht, sondern auf dem Pfad der Glückseligkeit und der Freude des Diesseits und Jenseits schreiten möge. Sie sollen sich selbst ans endgültige Ziel der Schöpfung bringen, welches die göttliche Nähe und Bezeugung Seiner Pracht und Schönheit darstellt.



[1] Der Begriff „Scharia“ wird mal für die gesamte Religion und mal nur für einen Teil der Religion benutzt, welcher der Verpflichtung obliegt das Recht und die Gebote zu erklären. In unserer Diskussion wird die zweite Bedeutung verwendet.

[2] Heiliger Qur’an, 20/14

[3] Heiliger Qur’an, 13/28


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