Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 62230
Datum der Veröffentlichung : 11/7/2014 7:40:54 PM
Aufrufe : 1557

Die Segen der Familie

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Freitagsansprache vom 31 Oktober 2014

Hujjatol Islam val Muslimin Dr Torabi

Nach der Auffassung des heiligen Korans ist die Familienandacht und das Ersuchen um Vergebung das Geheimnis der Beständigkeit der Familie und der Schlüssel zum familiären Glück.

Das allgemeine Dialogthema lautet “Die Familie im Koran“. Wir verfolgten die Geschichte der ersten Familie im Koran, um daraus Lehren für unser eigenes Familienleben zu ziehen.

Das Thema dieser Woche lautet „Reue und familiärer Gottesdienst“. So Gott will, wird diese Reihe an Gesprächen dazu führen, andere Verbote und Pflichten der Familie nach der Anleitung des heiligen Koran und den Leuten des Hauses (der reinen Nachkommenschaft des Propheten) zu lernen. Gott sagt uns in den heiligen Versen des Koran:

"Daraufhin empfing Adam von seinem Herrn Worte, worauf Er ihm verzieh; wahrlich, Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.“ (2:37) 

Einleitung:

Die oben genannten Verse beziehen sich auf die erste quranische Familie Adam und Eva, welche ihren Eid mit Gott durch Habsucht und Gier nach dauerhaftem Wohlbefinden vergessen haben und durch die Einflüsterug des Satans getäuscht wurden. Dadurch verloren sie Gottes Gunst für einen weiteren Aufenthalt im Paradies und bereiteten sich Umstand und Kummer. Dies bedeutet, dass das Vertrauen in Satans Versuchungen nicht nur fatale Folgen für diese Familie hatte, sondern noch weiteren Tadel Gottes nach sich zog. Zusätzlich bedeutete es den Zerfall der kleinen und glücklichen Familie Adam und Evas, die sich nach der Einsetzung auf Erden (gegenseitig) verloren haben.

Die oben erwähnten Verse verweisen auf die Reue von Adam und Eva. Die ersten Anzeichen ihrer Reue traten unverzüglich nach Missachtung der göttlichen Gebote auf und steigerten sich im Laufe der Zeit. Das Essen vom verbotenen Baum hatte wie gesagt, unvermeidliche Folgen, nämlich den Verlust des weiteren Aufenthaltes im Paradies. Jedoch, gemäß dem Vers in der Sure Araf, bereuten Adam und Eva ihre Tat und ersuchten Gott um Vergebung, die sie schließlich auch erlangten. Aufgrund dieser aufrichtigen Reue hat Gott der Erhabene Adam erwählt und ihm den Rang eines Propheten gegeben. Schließlich ist das Glück zu dieser Familie wieder zurückgekehrt.

1. Punkt:

Das Wort Reue („Tawbah“) bezieht sich manchmal auf die Menschen und manchmal auf Gott. „Tawbah“  bedeutet für den Menschen, dass er etwas Begangenes bereut. Für Gott allerdings bedeutet es, den Geschöpfen die Möglichkeit zur Reue zu geben und diese letztendlich anzunehmen, wie er es gemäß (20:122), bei Adam und Eva getan hat.

„Tawbah“ bzw. das Reueempfinden nach einem Fehler ist eine Anordnung, welcher der natürlichen gottgegebenen Veranlagung  des Menschen entspricht; Genau wie im Beispiel mit Adam, der nach den Versuchungen und dem Fehltritt, durch die Intention, zu Gott zurückzukehren, bereute und um Vergebung bat.

Das Bereuen nach dem Begehen einer Sünde ist Wajib und somit unerlässlich. Genauso wie es nach dem Auslassen einer Pflicht, wie z.B. der Verrichtung der täglichen Gebete, notwendig ist.
Jedoch ist das Bereuen einer unerwünschten Tat („Makruh-Tat“) oder das Unterlassen einer empfohlenen Tat („Mustahab-Tat“) lediglich empfohlen.

Wie wir sehen, gibt es mit der Annahme der Reue von Adam keine Erbsünde, für die jemand aufkommen müsste. Und ein jeder ist individuell für seine eigenen Sünden verantwortlich. Zudem hatte Adam nicht gesündigt (gegen kein Verbot verstoßen), sondern die bessere und empfohlene Tat unterlassen, nämlich nicht von dem verbotenen Baum zu essen. Seine Reue war somit eine empfohlene Reue.

2. Punkt:

In dem kompakten Bericht über die Geschichte von Adam im heiligen Koran sind die einzelnen Schritte über seine Rückkehr nicht erwähnt. Aber in einigen Überlieferungen wird gesagt, dass Adam und Eva nach dem Austritt aus dem Paradies in Mekka gelandet sind. Der Prophet Adam gelangte auf den Berg „Safa“ neben der Kaaba und siedelte dort. Daher wurde dieser Berg nach ihm, „Safiullah“ (der Gereinigte Gottes), benannt. Eva ließ sich auf dem Berg daneben nieder, welcher nach ihr, Marwa (Frau) benannt wurde.

Gemäß den Überlieferungen von Imam Sadiq (as) warf sich Adam (as) nach der Einsetzung auf Erden 40 Tage lang jeden Morgen weinend nieder. Der Engel Gabriel kam zu ihm und fragte warum er weinen würde, worauf Adam antwortete: „Warum soll ich nicht weinen, wo Gott mich von seiner Nähe ausschloss und mich auf Erden landen ließ. Gabriel erwiderte: „Oh Adam, bitte Gott um Vergebung und kehre zu ihm zurück.“ Adam fragte wie er dies machen solle. Somit nahm Gabriel ihn mit zu dem Ort „Mina“, um dort zu übernachten. Am nächsten Tag ging er zu dem Berg Arafat („Tag von Arafat“). Wie Gabriel es ihm lehrte, vollzog er am Nachmittag die rituelle Ganzkörperwaschung („Ghusl“) und rastete nach dem Nachmittagsgebet in Arafat. Dort empfing er entsprechend der koranischen Erkärung die Worte seines Herren.

Hier sind einige der Meinung, dass es sich dabei nicht um wirkliche Worte handelte, sondern eher innere Eingebungen in Verbindungen mit einigen Handlungen, denn zu der Zeit beherrschte Adam das Sprechen noch nicht. Sie sind darüber hinaus noch der Meinung, dass Adam seine Reue und sein Bedauern mit dem Eilen zwischen Safa und Marwa deutlich machte und daher zählen diese Berge zu den Zeichen Gottes.

3. Punkt:

In diversen Überlieferungen steht, dass Adam während seiner Reue und Rückkehr zu Gott große, herrliche Namen am göttlichen Thron sah und fand heraus, dass es sich dabei um die Namen der beliebtesten und besten Diener Gottes handelt. Ibn Abbas soll den Propheten über die Worte gefragt haben, welche Adam vernahm, als Gott Adams Reue annahm.

Der Prophet (saas) sagte: Adam (as) bat Gott, beim Recht  des Gesandten Mohammad (saas), der geehrten Fatima (sa) und dem Recht Imam Hassans (as) und Imam Husseins (as), seine Reue anzunehmen und Gott kam dieser Bitte nach.

4. Punkt:

Gebete, das Bereuen, sowie das Ersuchen der göttlichen Vergebung sind ein Teil der spirituellen Bedürfnisse für die Aufrechterhaltung des familiären Fundaments und gehören zu den Stützpfeilern einer Familie.

Besonders sind die gemeinsame Gebete, wie sie auch Adam und Eva verrichtet haben.

5. Punkt:

Die Reue von Adam und Eva führte zu dem erneuten Glück der Beiden. Es gehört sich, dass jeder gläubige und weise Mensch, ob Mann oder Frau, besonders in der familiären Umgebung, seine Fehler mit Wort und Taten erkennt, annimmt und versucht, sie wiedergutzumachen.

Dass manche sagen, die richtige Meinung, ist (und bleibt) nur die Meinige – ist nicht immer aufrichtig. Denn jeder gläubige sollte immer wenn er realisiert, dass er einen Fehler begangen hat, von seinen falschen Worten Abstand nehmen und diese bedauern und nicht darauf beharren, denn dies wäre ein größerer Fehler als die eigentlichen Worte selbst. Es gibt leider viele Familien, in denen der Mann oder die Frau einen begangenen Fehler nicht akzeptieren und einsehen wollen und durch diese Sturheit der gesamten Familie schadet. Eigene Fehler nicht anzuerkennen gehört zu den Listen des Teufels und schwächen die Persönlichkeit und der menschlichen Seele. Wenn man nicht lernt und übt, sich in der Familie, welche unsere erste soziale Institution ist, für begangene Fehler zu entschuldigen, wird die Gesellschaft mit Problemen konfrontiert, welches wir heutzutage bedauerlicherweise erleben.

Man sieht auch, dass diejenigen, die die Auslöser und Unterstützer der terroristischen Organisationen sind und diese auf die Menschen in den (jeweiligen) Gebieten gehetzt haben,  sich aus Selbstüberschätzung und Stolz nicht bei der Menschheit dafür entschuldigen wollen. Selbst wenn sie gelegentlich hier und da etwas zugeben oder andeuten, so nehmen sie diese Aussagen aufgrund des äußeren Druckes unverzüglich wieder zurück.


Kommentar



Zeige nichtöffentliche