Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 64182
Datum der Veröffentlichung : 12/3/2014 12:39:49 PM
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Schamhaftigkeit und Keuschheit - Tugenden zur Festigung der Familie

Zusammenfassung: Das Thema war die Familie aus koranischer Sicht und dahingehend die erste Familie in der Geschichte der Menschheit. Diese Woche werden unter der Überschrift "Bescheidenheit und Keuschheit - Tugenden zur Festigung der Familie" drei Aspekte angesprochen.

Freitagsansprache vom 05 September 2014

von Hujjatol Islam val Muslimin Dr. Torabi

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

1. Das Bedecken (Kleidung) ist sowohl eine moralische, als auch eine religionsrechtlich verpflichtende Anordnung des Islam. Einige Aspekte der Schamhaftigkeit bestehen aus der schamvollen Bekleidung und der Bedeckung der Reize des Körpers vor "Nicht-Mahram", Schamhaftigkeit beim Rufen des Lebensgefährten, Schamhaftigkeit in Phasen der Wut, der Trauer und Unzufriedenheit, Schamhaftigkeit in familieninternen Aspekten und Belangen außerhalb der Familie usw.

2. Die Bedeckung ist der Wille des allmächtigen Gottes, hingegen ist die Nacktheit ein Zeichen dafür, dass man auf den teuflischen Betrug hereingefallen ist. Die Verzerrung der Geschichte des Propheten, mit dem Ziel der Förderung einer Kultur der Schamlosigkeit und Nacktheit stellt eine große Lüge und einen kulturellen Betrug dar.

3. Schamhaftigkeit ist eine der herausragenden Eigenschaften der Leute des Jenseits (Paradies). Die Beanstandungen die diesbezüglich aufgeworfen werden, entspringen der Unwissenheit oder den Vorurteilen der Unheilvollen.

1. Aspekt:

Der gepriesen Herr sagt uns in der Sure Al-Araf, im 22. Vers:

"So verführte er sie durch Trug. Und als sie von dem Baum kosteten, wurde ihnen ihre Scham offenbar und sie begannen, sich mit den Blättern des Gartens zu bekleiden; und ihr Herr rief sie: "Habe Ich euch nicht diesen Baum verwehrt und euch gesagt: »Wahrlich, Satan ist euer offenkundiger Feind«?"

Aus diesem heiligen Vers wird ersichtlich, dass der Schambereich Adam und Evas vor dem Speisen vom verbotenen Baum, ihnen gegenseitig und ihnen selbst verdeckt war. Wir wissen jedoch nicht genau, wie sich der Schambereich von Adam und Eva offenbart hat. Wir wissen jedoch, dass bevor von dem verbotenen Baum, ihr Schambereich verdeckt war, dieser jedoch danach offengelegt wurde und sie sich gegenseitig mit Blättern bedeckt haben. Ist es jedoch so, dass es die natürliche Auswirkung des Baumes war, dass als sie von jenem aßen, ihnen sich ihre Scham herausstellte oder ob es so war, dass sie, nachdem sie von dem Baum aßen, ihrem Schambereich erst Beachtung geschenkt haben? Einige sehen die Wahrscheinlichkeit, dass das Essen von dem verbotenen Baum den Instinkt der Gelüste im Menschen hervorgerufen hat und damit auch die Organe bzw. Körperteile die in Beziehung zu diesen Gelüsten stehen, erscheinen lassen. [1]

Der Punkt, welchem man Beachtung schenken muss, ist der, dass das Bedecken - besonders das Bedecken des Schambereiches - ein Aspekt der Dimensionen der Schamhaftigkeit darstellt. Über den Punkt hinaus, dass auf das Bedecken aus moralisch-islamischer Sicht besonderen Wert gelegt wird, ist es auch so, dass in der islamischen Rechtssprechung und den abrahamitischen Religionen diese verpflichtend ist. Weitere Aspekte der Schamhaftigkeit setzen sich zusammen aus:
1. Schamhaftigkeit bei der Art der Bekleidung und der Wahl der Kleidung, so wie das Vermeiden von enger, figurbetonender oder kurzer Kleidung - besonders für die Frauen gegenüber von "Na-Mahram"
2. Schamhaftigkeit beim Rufen des Lebensgefährten sowie den Kindern
3. Schamhaftigkeit in Phasen der Wut, Trauer, Unzufriedenheit und Bedrängnis
4. Die Schamhaftigkeit in familieninternen Belangen, sowie den familienexternen

2. Aspekt:

Nacktheit ist ein Ergebnis und ein Zeichen des teuflischen Betruges. Der gepriesene Gott wollte für die Frau und den Mann das Bedecktsein, auf dass ihre Würde gewahrt und die Grundlage der Familie gefestigt wird:

O Kinder Adams, Wir gaben euch Kleidung, um eure Scham zu bedecken und zum Schmuck; doch das Kleid der Frömmigkeit - das ist das beste. Dies ist eins der Zeichen Allahs, auf daß sie (dessen) eingedenk sein mögen.“ (Sure Al-Araf, Vers 26)

Das Fördern der Nacktheit ist ein Übel unserer heutigen Zeit. In jüngster Zeit wurde eine Sendung mit dem Namen „Adam sucht Eva“ – welches im Konflikt mit der öffentlichen Keuschheit und im Gegensatz zu den moralischen Werten der Religionen steht und eine Erdichtung von Lügen in Bezug auf den großen Propheten darstellt. Auf dieselbe Art und Weise, wie wir beim Film über den Propheten Noah Zeuge einer beleidigenden und lächerlichen Lüge über die Propheten waren. Sicherlich, wenn die Propheten in der heutigen Zeit anwesend wären, so würden sie sich heute gegen das Produzieren solcher Filme aussprechen.

3. Aspekt:

Welcher Faktor führte dazu, dass Adam und Eva versuchten ihre Makel zu bedecken? War denn ein anderer Mensch außer ihnen anwesend, der sie gesehen hat? Hatten sie dieses Verhalten von irgendwo gelernt? Das Analysieren des Verhaltens von Adam und Eva, welches im heiligen Vers beschrieben ist, zeigt, dass dieses Verhalten aus ihrer innerlichen und natürlichen Veranlagung („Fitra“) heraus entstanden ist. Denn es war noch keine religiöse Anordnung oder moralische Empfehlung erteilt worden, ebenso existierte keine vorangegangene Kultur oder Verhalten anderer Menschen zuvor. Die einzige Analyse, die hierzu angestellt werden kann, ist, dass Adam und Eva kein gutes Gefühl verspürten, als ihre Makel und ihr Schambereich offengelegt wurde – und dieses Gefühl und dieser mentaler Zustand, welcher seine Wurzeln in der natürlichen Veranlagung des Menschen hat, ist das, was wir als „Schamhaftigkeit“ bezeichnen. In der Lehre der Logik bezeichnet man dies als besondere Eigenschaft des Menschen, welche ihn vom Tier unterscheidet – sowie Imam Sadiq (Friede sei mit ihm) in einer Überlieferung sagt:

„Die Eigenschaft, welche Gott speziell dem Menschen gewährt hat, jedoch den Tieren verwehrt hat, ist die Schamhaftigkeit.“

In weiteren Überlieferungen lesen wir: Derjenige, der keine Schamhaftigkeit besitzt, besitzt keinen Glauben. [2] In einer anderen Erzählung wird gesagt: Der Glaube und die Schamhaftigkeit stellen ein Paar dar, wenn eines dieser verloren geht, so geht mit ihr die Andere (Eigenschaft).[3]

Der Prophet (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft sagte in einem seiner Gebote gegenüber seinem Gefährten Abu Dharr: Aus Scham gegenüber den zwei Engeln die mit mir anwesend sind, bedecke ich mein Haupt und mein Gesicht beim Urinieren“[4]

Schamhaftigkeit hat einen großen Segen im spirituellen und religiösen Dasein. In diesem Maße, dass sie dazu führt, dass der Mensch nicht in Sünde verfällt, nicht lügt, man seine Versprechen einhält, keine Unterdrückung begeht uvm. . Im Bittgebet der Audienz von Imam Ridha („Ziyarat“) steht: Oh mein Herr, ich schäme mich davor, in deiner Anwesenheit zu sündigen.

In einer anderen Überlieferung wird gesagt: Wenn es Gottes Wille wird, eine Person oder ein Volk zugrunde gehen zu lassen, so nimmt er ihnen die Scham; sprich, wenn er sie aufgrund ihrer üblen Taten rügen will, so nimmt er ihnen ihre Scham. (Dies hat zur Bedeutung, dass wenn dem Menschen die Scham genommen wurde, die wahre Bedeutung des Lebens auf ihn nicht mehr zutrifft).[5]

Somit haben Schamhaftigkeit und Keuschheit einen großen Segen für den Einzelnen und für die Familie und es ist aus islamischer Sicht dringend notwendig, dass der Schamhaftigkeit als Bestandteil der Familienerziehung Beachtung geschenkt wird. Jedoch entstehen gelegentlich Probleme, was die „Schamhaftigkeit“ betrifft, über die es zu sprechen gilt.

1. Problem: Einige propagieren, dass die Schamhaftigkeit eine unberechtigte Art von Fessel darstellt, von der sich der Mensch befreien muss!
Antwort: „Schamhaftigkeit“ ist ein positives und nützliches Werkzeug für die innerliche Beherrschung. Es verhindert, dass der Mensch gegenüber anderen seine Mängel bedeckt und unpassende Verhaltensweisen nicht an den Tag legt, sodass er sich der Verachtung und Demütigung durch andere aussetzt.

2. Problem: Einige behaupten: Ein schüchterner und schamvoller Mensch, ist ein schwacher Mensch, der nicht gesellschaftsfähig und sozialkompetent ist und nicht die Fähigkeit besitzt, sich selbst (verbal) zu verteidigen bzw. sich zu behaupten!
Antwort: Unbeholfenheit ist etwas anderes als Schamhaftigkeit. Das Gefühl, welches durch die Achtsamkeit und Beachtung gegenüber den eigenen Mängeln und Mäkel, im Menschen entsteht, kann zu Taten und Anreizen führen, diese Mängel zu beseitigen und den Menschen hinzu Entwicklung und Wachstum bewegen. Es wird von Salman al-Farsi überliefert, dass jener in seinem gesamten Leben (ca. 300 Jahre), aufgrund seiner großen Schamhaftigkeit und seines Schamgefühls, nicht einmal seinen Schambereich angeschaut hat. Wenn diese Stufe positiver Schamhaftigkeit, mit seinem gesellschaftlichen Geist als Gouverneur und Politiker gepaart wird und gegenüber gestellt wird, so wird eine der Wunder der islamischen Erziehung offengelegt

3. Problem: Einige Menschen sagen: Schamhaftigkeit ist nichts Gutes, da sie bewirkt, dass der Mensch seine (inneren) Krankheiten und Probleme bedeckt und nicht die Lösung jener Probleme verfolgt.
Antwort: Die Behebung der Mängel und Probleme zu vernachlässigen, ist etwas anderes als eine positive Art von Schamhaftigkeit. Ungerechtfertigte und falsche Scham ist nicht zu akzeptieren und die ideale Schamhaftigkeit muss fern von Über- und Untertreibung sein.

4. Problem: Einige sagen: Bestimmte Aspekte der Schamhaftigkeit, wie die Schüchternheit beim Erfragen von Dingen, bewirkt, dass Verbleiben in der Unwissenheit und somit im Endeffekt in der Rückständigkeit.
Antwort: Die Grenzen der Schamhaftigkeit sind in der islamischen Jurisprudenz („Scharia“) festgelegt – so liegt aus Sicht der islamischen Lehre keine Schande im Erfragen von Dingen. In den Überlieferungen wird darüber hinaus hingewiesen: „ (Es existiert) Keine Scham im Glauben“. Dies bedeutet, dass es beim Erfragen von religiösen Angelegenheiten oder beim Erfüllen der islamischen Pflichten, keinen Platz für Schüchternheit gibt.

Aufgrund dessen, resultieren die genannten Probleme lediglich aus Unwissenheit oder aus teuflischen Vorurteilen. So wie auch in der Überlieferung der Himmelfahrt des Propheten geschrieben steht: Die Schamhaftigkeit ist die beste Eigenschaft der Leute des Jenseits (Paradies).



[1] مصباح یزدی محمد تقی، شرح حدیث معراج و شرح حدیث اباذر

[2] الكافي، ج‏2، ص: 106، باب الحياء

[3] الکافی، ج2، ص: 107

[4] الأمالي للطوسي

[5] محمدبن یعقوب کلینی، اصول کافی، ج 2، ص 291، روایت 10


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