Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 64477
Datum der Veröffentlichung : 12/13/2014 1:30:40 PM
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Islamkunde, Teil 131 – Islam und Menschenrechte (Teil: 7)

Freitagsansprache vom 12. Dezember 2014

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

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Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In den letzten Sitzungen ist klar geworden, dass man zur Definierung der Menschenrechte von der göttlichen Offenbarung Gebrauch machen muss. Ohne diese Hilfe ist der Erhalt sämtlicher Aspekte der Menschenrechte nicht möglich, da die Kenntnis über die verschiedenen existentiellen Ebenen des Menschen zur Ordnung der Menschenrechte erforderlich ist. Bis dato hat unter den Wissenschaftlern im Bereich der Humanwissenschaften keiner den Anspruch erhoben den Menschen vollständig zu kennen. Der einzige Weg zur Erlangung der vollständigen Erkenntnis über den Menschen ist durch die Offenbarung. Durch diese Erkenntnis können dann die wahren Bedürfnisse des Menschen von den surrealen Bedürfnissen gesäubert werden.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass diejenigen, die die Qualifikation erhalten, um die Rechte im Hinblick auf den Menschen durch Zuhilfenahme der Offenbarung zu setzen, keine egoistischen und egozentrischen Menschen sein dürfen. Denn egozentrische und selbstverliebte Menschen stehen gegen das Recht ein und können kein Gesetzesgeber des Rechts sein. In einigen Fällen stellen die das Unrecht als Recht und das Recht und Unrecht dar.

Der gesegnete Vers: وَ لا تَلْبِسُوا الْحَقَّ بِالْباطِلِ وَ تَكْتُمُوا الْحَقَّ وَ أَنْتُمْ تَعْلَمُونَ [1]  „Und mischt nicht Wahrheit mit Unrecht durcheinander! Und verschweigt nicht die Wahrheit, wo ihr (sie) doch kennt.“ Weist auf eben jenen Aspekt der Durcheinandermischung des Rechts mit dem Unrecht durch diejenigen hin, die die Religion und Offenbarung für ihre persönlichen und sippenhaften Zwecke missbrauchen.

In den Worten Imam Alis (a.) wird dieser ernste Schaden und diese Plage den Triebgesteuerten zugeordnet: إِنَّ أَخْوَفَ‏ مَا أَخَافُ‏ عَلَيْكُمُ [اثْنَتَانِ‏] اثْنَانِ اتِّبَاعُ الْهَوَى وَ طُولُ الْأَمَلِ فَأَمَّا اتِّبَاعُ الْهَوَى فَيَصُدُّ عَنِ الْحَقِّ وَ أَمَّا طُولُ الْأَمَلِ‏ فَيُنْسِي الْآخِرَة [2] „Unter den Dingen, die euch anheimfallen, fürchte ich mich von zweien stärker geängstigt: Der Befolgung der Triebe und der Besitz von fernliegenden und vielen weltlichen Wünschen. Das erste hält den Menschen vom Recht ab und das zweite führt dazu, dass der Mensch das Jenseits vergisst.“

Allerdings gelangt der Mensch in eine solche Haltung, wenn er nicht bestrebt ist seine natürlichen Bedürfnisse zu stillen. Sollte man hingegen danach aus sein die zu der natürlichen menschlichen Veranlagung passenden Bedürfnisse zu stillen, wird der Mensch auf dem Pfad der Gerechtigkeitssuche und Erlangung von Vorzügen kommen und den erhabenen Gott wollen. Man kann nur dann fachmännisch über den Menschen eine Meinungsäußerung tätigen, wenn man imstande ist die wahren Bedürfnisse des Menschen von den falschen zu erkennen. Ansonsten sammelt man in der Illusion, den Menschen zu kennen, einen Mischmasch als Menschenrechte.

Allerdings muss derjenige, der auf korrekte Art und Weise von den Quellen der Menschenrechte Gebrauch machen möchte, auch über eine richtige Kenntnis über die Welt verfügen. Er muss erkennen, dass das Leben durch den Allweisen Gott gezielt erschaffen wurde und nichts sinnlos ist. ما خَلَقْنَا السَّماواتِ وَ الْأَرْضَ وَ ما بَيْنَهُما إِلاَّ بِالْحَق [3] „Wir haben die Himmel und die Erde und das, was zwischen beiden ist, nicht anders als in Wahrheit erschaffen.“ Der Mensch als ein gesegnetes Geschöpf des erhabenen Gottes ist im Besitz eines ehrenhaften und wertvollen Ziels: أَ فَحَسِبْتُمْ أَنَّما خَلَقْناكُمْ عَبَثاً وَ أَنَّكُمْ إِلَيْنا لا تُرْجَعُونَ [4] "Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?"

Nach der Erkenntnis über den Menschen und der Welt muss anerkannt werden, dass über ihnen der erhabene Gott steht. Mit einer solch starken Quelle ist jede existenzielle Ebene des Menschen von den Gefühlen, über den Verstand und den Sinnen im Besitz von Rechten und die Sammlung all dessen in ihrer vollständigen Form führt zur allgemeinen Sammlung der Menschenrechte. Wenn wir alle auf Basis dessen übereinkommen, dass das menschliche Gesetz unter Zuhilfenahme des Verstandes und der Offenbarung gesetzt wird, wird kein menschliches Recht in Vergessenheit geraten. Da das göttliche Wissen über alles Wissen steht und nichts für den erhabenen Gott verdeckt ist.

لا يَعْزُبُ عَنْهُ مِثْقالُ ذَرَّةٍ فِي السَّماواتِ وَ لا فِي الْأَرْضِ وَ لا أَصْغَرُ مِنْ ذلِكَ وَ لا أَكْبَرُ إِلاَّ في‏ كِتابٍ مُبينٍ [5] „Nicht einmal das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln oder auf Erden ist vor Ihm verborgen; noch gibt es etwas Kleineres oder Größeres als dieses, das nicht in einem deutlichen Buch stünde.“ Und an andere Stelle heißt es: وَ ما كانَ رَبُّكَ نَسِيًّا [6] „und dein Herr ist nicht vergesslich.“ Es ist einleuchtend, dass der erhabene Gott, der dem Menschen das Recht auf das Leben gab und ihn als bestes Geschöpf benannte, besser als alle anderen das Wohl und Übel von ihm kennt und somit am besten für ihn Gesetze bestimmen kann.

Die Aufmerksamkeit auf diesen wichtigen Punkt ist notwendig, dass wenn die Menschenrechte durch die Feder von einer oder mehreren Personen verfasst werden, dies zu zahlreichen Problemen führt. Dazu gehört, dass keiner von ihnen über genügend Wissen im Hinblick auf den Menschen verfügt, sodass man nicht alle Rechte erfassen kann und somit viele heilbringende Punkte für den Menschen in der Satzung der Menschenrechte missachtet werden. Sollte darüber hinaus jemand durch Gewalt und Zwang die Macht zur Gesetzgebung erhalten haben, ist es außer Zweifel, dass eine durch solche Gewalt hervorgerufene Gesetzgebung nicht imstande sein wird das Unrecht in der Gesellschaft zu entwurzeln. Somit kann aufgrund mangelnder Kompetenz keine Person derartige Gesetze aufsetzen und auch eine Gruppe von Menschen wäre dazu nicht imstande. Die Probleme wären dieselben, nur mit geringerer Intensität. Nicht zu sprechen davon, dass man in diesem Fall mit Meinungsunterschieden konfrontiert ist. In diesem Fall müsste die Meinung der Mehrheit ausschlaggebend sein. Zweifelsohne wäre ein solcher Lösungsweg ein Zeugnis der Hilf- und Ausweglosigkeit. Vernünftig und gerecht wäre ohne Zweifel, dass man von der Quelle der Offenbarung in der Satzung der Menschenrechte Gebrauch macht. Dadurch kann man die besten Gesetze im Hinblick auf den Menschen erhalten und alle Aspekte der Menschenrechte beleuchten.

Somit kann man zusammengefasst zwei Gründe für das Gesetzgebungsrecht des erhabenen Gottes aufführen:

1.       Der Mensch ist im Besitz einer engen Beziehung zum Lebensspender, dem erhabenen Gott. Diese Beziehung gilt sowohl im Hinblick auf die eigentliche Erschaffung des Menschen, als auch im Fortbestehen seines Lebens. Somit ist der Mensch zu seiner Vervollkommnung auf den erhabenen Gott angewiesen und kann nicht selbstständig den Pfad der Vollkommenheit begehen. Als Ergebnis kann die Satzung der Menschenrechte als ein Abschnitt der Stufen jener Vollkommenheit nur über jene Quelle des Lebens erfolgen.

2.      In der Satzung der Menschenrechte müssen die Bedürfnisse des Menschen erkannt werden. Diese Erkenntnis kann nur durch eine vollständige Bekanntschaft mit sämtlichen Ebenen der menschlichen Existenz erhalten werden. Natürlicherweise ist dem erhabenen Gott jede Ebene der menschlichen Existenz bekannt. Somit kann nur der gepriesene Gott die Menschenrechte bestimmen.



[1] Heiliger Qur’an, 2/42

[2] Nahj ul-Balagha, Predigt 42

[3] Heiliger Qur’an. 46/3

[4] Heiliger Qur’an, 23/115

[5] Heiliger Qur’an, 34/3

[6] Heiliger Qur’an, 19/62


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