Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 66273
Datum der Veröffentlichung : 1/13/2015 2:36:44 PM
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Die Verurteilung des Extremismus

Die Rede des Leiters der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen in Bezug auf die Verurteilung des Extremismus

Im Namen Allahs, des Barmherzigen und Gnädigen

" وَكَذَلِكَ جَعَلْنَاكُمْ أُمَّةً وَسَطًا لِتَكُونُوا شُهَدَاءَ عَلَى النَّاسِ وَيَكُونَ الرَّسُولُ عَلَيْكُمْ شَهِيدًا  "

"Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei."               (Al-Baqara | 2: 143)

Der heilige Koran offenbart eindeutig, dass der gnädige Gott das islamische Volk als Volk der Mitte und des Mittelmaßes ernannt hat, um zu zeigen, dass er für sie weder Übertreibungen noch Untertreibungen als akkurat erachtet.  Dieser Rat des heiligen Koran an seine Anhänger erfolgt trotz der Tatsache, dass Übertreibungen die Menschheit bis hin zu ihrem Ursprung verfolgen und der Drang zu Übertreibungen weltweit verbreitet ist und unterschiedliche Facetten aufweist; im Zusammenhang mit der Gemeinschaft besitzt die Übertreibung eine "Volksfacette", im Zusammenhang mit der Nation besitzt sie eine "Nationalitätsfacette" und im Zusammenhang mit der Religion besitzt die Übertreibung eine "Religionsfacette", obwohl Übertreibungen mit keiner dieser Begriffe zu vergleichen oder gar verwechseln ist und manchmal auch mit all diesen Facetten - besonders in Bezug auf die Religion - in Kontrast und Widerspruch steht. Man kann auch deutlich und offensichtlich erklären, dass keinerlei rationale Verbindung oder interreligiöse Beziehungen zwischen Extremismus und irgendwelchen Religionen - beispielsweise dem Islam - bestehen.

Extremismus wurde im Laufe der Geschichte immer von Unwissenheit begleitet und gestärkt, wobei das Ziel der Mission göttlicher Propheten im Laufe der menschlichen Geschichte in der Leitung der Menschheit zur Reflexion und Rationalität bestand und somit jegliche Art von Übertreibungen und Falschauslegungen der Religion im Widerspruch mit den göttlichen und religiösen Lehren stehen.

Andererseits gehört dieses aus Unwissenheit rührende Bedürfnis nicht der Vergangenheit an und dieses aus Unwissenheit stammende Phänomen wird in der heutigen Zeit der Wissenschaft und Technologie, in der menschliches Wissen und Wissenschaft viel höher liegen als in der Vergangenheit, an vielen Orten der Welt sehr klar und deutlich wahrgenommen und verarbeitet. Aus diesem Grund kann man behaupten, dass unwissende und irrationale Anhänger der Religionen und extremistische Bewegungen und Ideologien den Religionen im Laufe der gesamten menschlichen Geschichte den größten Schaden zugefügt haben. Mit anderen Worten stellte das Problem des Extremismus und der Distanzierung von Reflexion und Rationalität im Laufe der Geschichte schon immer ein Problem für die Anhänger göttlicher Religionen dar.

Der heilige Koran rät den Leuten der Schrift bereits vor 14 Jahrhunderten im Namen des gnädigen Gottes, sich vor Übertreibungen in der Religion zu distanzieren und offenbart folgendes:

"قُلْ يا أَهْلَ الْکِتابِ لا تَغْلُوا في‏ دينِکُمْ غَيْرَ الْحَقِّ وَ لا تَتَّبِعُوا أَهْواءَ قَوْمٍ قَدْ ضَلُّوا مِنْ قَبْلُ وَ أَضَلُّوا کَثيراً وَ ضَلُّوا عَنْ سَواءِ السَّبيلِ"

"Sag: O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurer Religion außer in (dem Rahmen) der Wahrheit und folgt nicht den Neigungen von Leuten, die schon zuvor irregegangen sind und viele (andere mit ihnen) in die Irre geführt haben und vom rechten Weg abgeirrt sind." (Al-Ma'ida | 5: 77)

In Wirklichkeit besteht die Religion zur Leitung und dem Leben der Menschheit und zur Orientierung und Erlangung des Ziels. Heutzutage sieht man aber Menschen, welche sich als religiös vorstellen, aber ein Verhalten aufzeigen, welches mit den religiösen Lehren vollkommen im Widerspruch steht und in der Interpretation des heiligen Koran sind dies Menschen, welche sowohl selbst irregegangen sind als auch andere in die Irre geführt haben und vom rechten Weg abgeirrt sind.

Leider sind heutzutage Gruppierungen im Rahmen strukturierter Bewegungen, wie beispielsweise der Islamische Staat (ISIS), damit beschäftigt, im Namen der Religion und des Islam die wahre Form der Religion verkehrt herum zu drehen und die Religion, welche auf die vollkommene Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes basiert und offenbart wurde, mit einer gewaltsamen, beängstigenden und hasserfüllten Vorstellung darzustellen. Zweifellos ist dieses beschämende Verhalten dieser Gemeinschaft, welches mit keinen göttlichen und humanitären Prinzipien und Gesetzen vereinbar ist, in Bezug auf die rationalen und islamrechtlichen Gebote des heiligen Islam haram und verboten. Die grausamen Gewalttaten, welche im Irak, in Syrien, in Afghanistan und an anderen Orten der Welt, und welche leider wieder einmal mittels dubiöser und unwissender Parteien und im Namen des Islam erfolgten,  werden nämlich aus der Sicht jedes gerechten Menschen verurteilt und sind auch mit keinem Verstand und keiner Logik gerechtfertigt.

Auch aus der Sicht religiöser und islamischer Lehren besitzt kein Mensch das Recht, jemanden aus seinem Haus zu  vertreiben oder Menschen aufgrund ihrer Ideologie und Religion zu quälen und foltern. Aus genau diesem klaren Grund widersprechen die gegen Jesuiten, Kurden, Christen und Schiiten erfolgten Gewalttaten dem kleinsten Prinzip der islamischen Lehren und die Verbrecher dieser unmenschlichen Gewalttaten verdienen jede Art von Vergeltung und Bestrafung.

Soweit man den Islam kennt, verurteilt diese Religion Terrorismus in jeglicher Form und missbilligt und verurteilt jede Tat, welche zu Angst, zur Entführung und zur Ermordung schutzloser und unschuldiger Menschen führt.

Die Intensivierung religiösen Extremismus und Verhetzungen und die Erzeugung von Differenzen unter religiösen Gruppierungen gehören auch zu einer Art Terrorismus, welche aus Unwissenheit, Ignoranz und der Vernachlässigung religiöser Quellen rührt. Leider führt die Unwissenheit und Ignoranz seitens unterschiedlicher Gruppierungen zu einigen Geschehnissen in Europa wie beispielsweise der Angriff auf Moscheen in Belgien, Schweden oder Demonstrationen gegen den Islam, deren Schäden die Sicherheit der menschlichen Gesellschaften bedrohen.

Es besteht die Hoffnung, dass große Theologen des Islam, welche im heiligen Ghom dieses beschämende Phänomen sehr ernsthaft verurteilt haben und in dieser heiligen Stadt einen bedeutenden Kongress zur Bestimmung des Wesens dieser Gruppierung einberufen haben, welcher viele bedeutende Konsequenzen mit sich geführt hat, mit ihrer anhaltenden Nachforschung den Muslimen und der gesamten Menschheit diese gefährlichen Geschehnisse umso öfter und besser vorstellen, damit jegliche Art von Verbindung der Gewalt und des Terrorismus zum reinen Islam aufgehoben wird. Der Friede und die Barmherzigkeit Allahs und Seine Segen mögen auf euch sein.

  Reza Ramezani

Leiter der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen


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