Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 67414
Datum der Veröffentlichung : 1/28/2015 7:02:34 PM
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Islamkunde, Teil 135 – Islam und Menschenrechte (Teil: 11)

Freitagsansprache vom 23. Januar 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In der heutigen Zeit sprechen viele der Wissenschaftler über die Moral und die Spiritualität und erinnern an ihre Wichtigkeit. Ebenso wurden in unterschiedlichen Bereichen, verschiedene Gesetze  über den Menschen und die Bürgerrechte ausgearbeitet. Hier lässt sich auf die internationale Menschenrechtserklärung, den zahlreichen verschiedenen Konventionen bezüglich Frauen und Kinderrechten, der Umwelt oder dem Verbot über die Produktion von Massenvernichtungs- und insbesondere Atomwaffen, hinweisen. All diese Gesetze dienen einzig und allein dem Ziel, dass die Menschen in Sicherheit und Frieden leben können, sodass sie alle, trotz verschiedener Kulturen, das Gefühl der Liebe, der Freundschaft und der friedlichen Koexistenz erfahren können.

Dennoch sind wir Zeuge davon, wie in der heutigen Welt Menschen aufgrund von Armut und Hunger sterben und sich große Teile der Menschheit unter der Armutsgrenze befinden und ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Obwohl Slogans wie Gerechtigkeit, Vernunft, Spiritualität ausgerufen werden, wurden dennoch Reichtum und Macht nicht auf gerechte Art und Weise verteilt. Auf anderer Seite bilden Tyrannei und Unterdrückung, mit verschiedensten Überschriften, überall auf der Welt die traurige Realität - menschliche Werte und die Stellung der menschlichen Würde erfahren immer wieder Schaden.

Diese bittere Realität der Menschheit wurde und wird wiederholt von religiösen Führern und ihren Anhänger angesprochen. Obwohl viele Konferenzen mit dem Thema der Vorbeugung solcher Probleme in der Gesellschaft überall auf der Welt abgehalten werden und sogar die Wege zur Lösung und zu den Dingen die geschehen müssen, dargelegt werden - vermehrt sich dennoch die Kluft der Klassen, das Regieren von Gold (Geld) und Macht an jedem Tag in verschiedenen Formen der Erscheinung. Es muss wirklich über einen Ausweg nachgedacht werden um die Weltgemeinschaft aus diesen Problemen zu retten. Heute benötigt die Menschheit einerseits mehr denn je Sicherheit und Frieden, andererseits bedrohen heute mehr denn je zuvor Gefahren die Gemeinschaft der Menschen. Daher benötigt man in der heutigen Zeit auch mehr denn je die Werte der Moral und Spiritualität. Aus diesem Grund ist es, dass einige westliche Denker, wie Hans Küng, die Idee der "Weltmoral" vorgestellt haben und daran glauben, dass durch die Armut und Unterdrückung, Tyrannei und Anhäufung von Reichtum und Macht - der Mensch mit einer Krise konfrontiert ist, und obwohl die Verordnungen der Menschenrechte in allen Bereichen formal existieren, dass ernsthafte Problem in der Umsetzung dieser Gesetze liegt.

So muss man alle Menschen mit all ihren kulturellen Unterschieden zusammenführen und versöhnen. Zur Verwirklichung dieses Friedens muss der Frieden zwischen den Religionen angestrebt und die religiösen Menschen respektiert werden - und kein Anhänger einer Religion darf einen Anhänger einer anderen Religion disrespektieren, beleidigen oder schmähen. Man muss die Menschen, egal mit welcher Glaubensüberzeugung, als respektabel betrachten und die Politik mit der Moral vereinigen und alle Führer der Weltgemeinschaft zu einer Moral, basierend auf den Grundwerten der Menschen, einladen. Er bestätigte zwei grundlegende Ideen in seinen Darstellungen: Die neue Weltordnung ist nur auf der Grundlage von Moral möglich und muss mit jedem Menschen, menschlich umgehen. Allen muss Lebenshoffnung geschenkt werden und in allen muss eine innerliche Entwicklung hervorgerufen werden und sie müssen dazu gebracht werden, den wertvollen Anordnungen gegenüber den Menschen Respekt zu zollen und in ihrem Lebensverlauf jenen Gesetzen treu zu bleiben. "Das, was du für dich selbst wünschst, das wünsche auch anderen, und das, was du für dich selbst nicht wünschst, das wünsche auch anderen nicht." So wie es Imam Ali ausgedrückt hat:

« اجْعَلْ‏ نَفْسَكَ‏ مِيزَاناً فِيمَا بَيْنَكَ وَ بَيْنَ غَيْرِكَ فَأَحْبِبْ لِغَيْرِكَ مَا تُحِبُّ لِنَفْسِكَ وَ اكْرَهْ لَهُ مَا تَكْرَهُ لَهَا وَ لَا تَظْلِمْ كَمَا لَا تُحِبُّ أَنْ تُظْلَمَ وَ أَحْسِنْ كَمَا تُحِبُّ أَنْ يُحْسَنَ إِلَيْكَ وَ اسْتَقْبِحْ مِنْ نَفْسِكَ مَا تَسْتَقْبِحُهُ مِنْ غَيْرِكَ وَ ارْضَ مِنَ النَّاسِ بِمَا تَرْضَاهُ لَهُمْ مِنْ نَفْسِكَ » [1]

Setze dich selbst als Waage zwischen dir und den Anderen; so wie du nicht möchtest, dass man dir nicht schadet, so darfst du auch den Schaden gegenüber anderen nicht wollen und das, was du für dich selbst als schlecht betrachtest, das betrachte auch bei anderen als schlecht . Zu den Aspekten dieser Grundlage, gehört die Kultur der Gewaltlosigkeit bzw. des Respektes gegenüber dem Leben - da dies das erste Recht aller Menschen. Somit ist es niemanden gestattet das Recht anderer zu verletzten oder anderen das Recht auf Leben zu entziehen.

Konflikte und Streitereien müssen ohne jegliche Aggression und auf gerechte Weise geklärt werden. Den Weg in einer militärischen Option zu suchen ist falsch und diejenigen, die politische Macht besitzen, müssen im Rahmen der Gerechtigkeit handeln und sich selbst auf friedliche Arten der Problemlösung stützen. Ebenso muss bereits im Familienleben den Kindern beigebracht werden, das Gewalt kein Weg zur Lösung von Konflikten ist. Darüber hinaus muss allen gelehrt und glaubhaft gemacht werden, dass Bemühungen zur Erhaltung der Umwelt unerlässlich sind. Alle müssen gleichermaßen die natürlichen Ressourcen von Luft, Wasser und Erde nutzen können und es muss darauf hingewiesen werden, dass man allen Mitmenschen helfen muss, unabhängig von Volks-, Religions- oder Rassenzugehörigkeit und die Rechte der Minderheiten Beachtung finden.

Ebenso gehört zu den Grundlagen der Weltmoral eine Verbundenheit zu einer gemeinsamen solidarischen Leitkultur, einem gerechten Wirtschaftssystem, einer Lebensart aufbauend auf Ehrlichkeit und einer Kultur der Gleichberechtigung von Mann und Frau.
Für die Realisierung dieser Grundlagen muss das Gewissen der Menschen geändert und allen gelehrt werden, dass die Würde des Menschen einen hohen Stellenwert genießt. Das Gefühl des Verantwortungsbewusstseins muss in allen zum Leben erweckt werden. Die Wichtigkeit von Aufopferungsbereitschaft und Selbstlosigkeit, Mitgefühl und Beistand  gegenüber anderen muss allen klar werden und ein Gefühl der Verantwortlichkeit entstehen.

Wenn man nun aufmerksam diese Zusammenhänge betrachtet, so erkennt man, dass die Verbindung zwischen der Moral und den Menschenrechten eine besonders Wichtige ist und aus diesem Grund ist, dass die göttlichen Propheten als Reformatoren der Gesellschaft auftraten, zur Ausbreitung der Vorteile und Vorzüge, welche die Moral beinhaltet, sodass sich die Menschheit weiterentwickelt.

Der Prophet (s) sagte:
 بُعِثْتُ‏ لِأُتَمِّمَ‏ مَكَارِمَ الْأَخْلَاقِ - "Ich kam für die Vervollständigung der Moral." [2]
Aufgrund dessen, muss allen das Moralisch-Werden und das Moralisch-Leben
, welche zu den grundlegendsten und wichtigsten Lehren der Religion gehören, gelehrt werden.
Daher ist es, dass der Prophet (s) sagte:
إنَّما بُعِثتُ مُعَلِّماً  - "Ich wurde gesandt, um der Lehrer des Menschen zu sein. Um den Menschen den Weg aufzuzeigen, wie man moralisch lebt. "[3]

Somit sind das Lehren der Schrift und der Weisheit, die Erziehung des Menschen und das Aufzeigen der göttlichen Verse und Zeichen im reinen Leben des Menschen, von den wichtigsten Pflichten der göttlichen Propheten.

« هُوَ الَّذي بَعَثَ فِي الْأُمِّيِّينَ رَسُولاً مِنْهُمْ يَتْلُوا عَلَيْهِمْ آياتِهِ وَ يُزَكِّيهِمْ وَ يُعَلِّمُهُمُ الْكِتابَ وَ الْحِكْمَةَ وَ إِنْ كانُوا مِنْ قَبْلُ لَفي‏ ضَلالٍ مُبين
»[4]

"Er ist es, Der unter den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zu reinigen und sie die Schrift und die Weisheit zu lehren, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigem Irrtum befanden."

Jedoch wurde in einigen Versen des heiligen Korans der Belehrung Vorrang über die Erziehung gegeben, und in anderen Versen wurde der Reinigung der Seele Vorrang über die Belehrung gewährt. Der Grund für letzteren Vorzug ist der, dass der Reinigung der Selle Vorzug vor allem gegeben wird; jedoch ist es in jedem Fall für den Menschen notwendig zur Erreichung dieser Stufe und zum Erreichen des auf Taten basierten Verhaltens, den Lehren des Islam zu folgen und in einigen Versen, wurde darüber hinaus dem Wissen , da es eine Bedingung und Einleitung zu dem Bereich der Taten darstellt, Vorzug über der Erziehung gegeben.

Um die Sache zu verdeutlichen kann man das Lehren der Gebetswaschung (Wudhu) und dem Gebet als Beispiel nennen. Obwohl das Gebet Vorrang von der Wichtigkeit hat, ist es so, dass dadurch, dass die Gebetswaschung die Vorbereitung für eine Pflicht darstellt, die Vorbereitung an sich auch zur Pflicht wird.

Als Fazit der Erklärungen lässt sich sagen, dass die Moral bei der Garantie (der Einhaltung) der Menschenrechte eine wichtige Rolle einnimmt und aus diesem Grund ist es auch, dass man die Moral als Grundlage des Gesetzes betrachtet. Die Moral ist das Ergebnis des Einübens von richtigen Verhaltensweisen auf Grundlage der grundlegenden menschlichen Werte und wenn die Menschen moralisch geworden sind, so werden sie sich bemühen die Rechte der Anderen einzuhalten
.

[1] Nahj-ul-Balagha, 31.Brief 

[2] Bihar-ul-Anwar; Band 67, Seite 372

[3] Sunan al-Darimi; Band 1, Seite 99

[4] Koran 62:2


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