Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 73486
Datum der Veröffentlichung : 4/23/2015 8:18:39 PM
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Islamkunde 139 - Islam und Menschenrechte 15

Freitagsansprache vom 20. März 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.


Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Bisher wurden zahlreiche Diskussionen zum Thema Menschenrechte geführt. Um diese Diskussionen klarer zu gestalten, scheint eine Untersuchung unterschiedlicher Ansichten in Bezug auf Menschenrechte nachvollziehbar.

Im Folgenden werden einige Menschenrechtserklärungen angesprochen und untersucht.

Untersuchung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen genehmigt und verkündet und besteht aus insgesamt 30 Artikeln. Diese Erklärung wurde in viele Sprachen übersetzt und allen Menschen zur Verfügung gestellt.

Vor der Untersuchung sollte angesprochen werden, dass wir die Aspekte aus religiöser Sicht, also aus der Sicht des Islam, betrachten und untersuchen. Da diese Erklärung nämlich von Menschen erstellt wurde, bedarf es an gründlichen Untersuchungen, Revisionen und Veränderungen, die mittels einer genauen Betrachtung und Verarbeitung erlangt werden können.

Artikel 1: Im ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht folgendes: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen." In diesem Artikel werden einige Schöpfungsaspekte des Menschen angesprochen. Hierbei entstehen zahlreiche Fragen: Ist dieser Artikel ein rechtlicher Artikel? Ist es eine Straftat, wenn Menschen einander nicht im Geist der Brüderlichkeit begegnen? Falls ein solches Recht nicht eingehalten werden sollte, wer ist dann dafür verantwortlich?  Wie kann man diesen Artikel als eine gesetzliche Vorschrift ansehen?

Dieser Artikel drückt zwei Tatsachen aus: 1. Alle Menschen sind frei erschaffen worden und 2. Alle Menschen wurden mit Vernunft und Gewissen gesegnet.

Außerdem spricht der Artikel die Erkenntnistheorie an, dass alle Menschen gleich sind und rät zu einem moralischen Wert, dass sie einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen sollen. Dieses Recht ist jedoch nicht juristisch, sondern moralisch.

  Einige Begriffe dieses Artikels sind allgemein formuliert und daher auch mehrdeutig, wie beispielsweise "brüderlich verhalten". Hier muss verdeutlicht werden, was mit Brüderlichkeit gemeint ist und welches Verhalten brüderlich ist. Wie behandelt man denn einen Menschen, der sich nicht brüderlich verhält? Daher müssen diese mehrdeutigen Begriffe zunächst gedeutet und erklärt werden.

Man kann behaupten, dass dieser Artikel eine Art moralische Beratung und Predigt darstellt. Der Mensch besitzt nämlich nach diesem Artikel nicht nur Verstand sondern auch Willen und Entscheidungsmacht.

Artikel 1 aus islamischer Sicht

In diesem Zusammenhang gibt es aus islamischer Sicht viele Diskussionen, unter anderem ist der Mensch in Bezug auf seine Schöpfung zweifellos erhabener als andere Geschöpfe, da der Mensch neben seiner tierischen Natur auch im Besitz von Verstand ist. Der Mensch kann seinen Verstand auch zur Wegleitung zum akkuraten Ziel und der Offenbarung nutzen, wenn er jedoch nicht den Gelüsten und teuflischen Verführungen verfällt, seine menschlichen Gelüste im Griff hat und ein Gleichgewicht herstellt und seine Eigenschaften vervollkommnen kann.

Der Verstand besitzt im Islam einen solch hohen Stellenwert, dass er die Menschlichkeit des Menschen darstellt. Im heiligen Koran weisen zahlreiche Verse darauf hin, dass der Mensch seinen Verstand dazu nutzen sollte, die Thematik des Menschen, Gottes und der Welt auf akkurate Weise zu verstehen. Wenn der Verstand aus Sicht des heiligen Koran als ein großer Segen seitens des allmächtigen Gottes gesehen wird und die menschliche Gesellschaft nach dem Verstand handelt, lösen sich viele menschlichen Probleme. Der Verstand hilft dem Menschen nämlich durch die Auffassung, dass die Schöpfung ein Ziel besitzt und das Universum vom allmächtigen Gott organisiert wird, eine sehr enge Beziehung zu Gott aufzubauen. Der Verstand darf also nicht nur auf das Verhalten und alltägliche Leben reduziert werden, sondern steht auch für die Ansichten, das Wissen und die Weisheit. Zweifellos verhindert der Verstand die Entstehung von Extremismus und hilft den Menschen, ihre Orientierung zu finden und kann auch bei der Gestaltung von Gesetzen sowohl für das Individuum als auch die Gesellschaft von Vorteil sein.

Also muss der Aspekt des Verstandes in diesem Artikel näher erläutert werden, da der Verstand allein mit der Verbindung zur Offenbarung als Basis für Menschenrechte genutzt werden kann, da hierdurch der Weg und das Ziel vor Augen geführt wird und keinerlei menschlichen Fehler bestehen.


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