Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 73513
Datum der Veröffentlichung : 4/24/2015 2:27:40 PM
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Islamkunde 140 - Islam und Menschenrechte 16

Freitagsansprache vom 03. April 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In der letzten Diskussion wurde der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte angesprochen und aus islamischer Sicht betrachtet. Im Rahmen der Erkenntnistheorie besagt dieser Artikel unter anderem, dass Menschen durch ihre Freiheit im Besitz von Willen und Entscheidungsmacht sind. Der Mensch hat diese Freiheit jedoch nicht durch andere Menschen erlangt, sondern ist aufgrund seiner Existenz vom allmächtigen Gott damit gesegnet worden.

Aus islamischer Sicht ist der Mensch nämlich sowohl aus körperlicher und materieller als auch aus geistiger und spiritueller Dimension betrachtet vom allmächtigen Gott mit vielen Eigenschaften, Besonderheiten und Talenten gesegnet. Aufgrund seiner Eigenschaften, unter anderem der aus der Schöpfung stammenden Freiheit und dem Willen und der Entscheidungsmacht, ist der Mensch allein verantwortlich für die Bestimmung seines Weges. Ob er sein heiliges Ziel erreicht oder nicht, hängt davon ab, ob er sich für den wahren Weg entscheidet oder ob er fehlgeleitet wird. Der Aspekt des Verstandes, des Willens und der Freiheit ist also kein juristischer Aspekt, sondern existierte bereits vor der Erfassung durch die Menschheit.

Im ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte werden auch zwei weitere Aspekte angesprochen, welche eher moralische Dimensionen einer Predigt besitzen, als juristische Dimensionen. Diese Aspekte bestehen darin, dass alle Menschen gleichgestellt sind und dass sie sich einander gegenüber brüderlich verhalten müssen. In diesem Zusammenhang hat der Islam zahlreiche Gebote und tiefgründige Aspekte offenbart. Aus islamischer Sicht, sind alle Menschen, ob Mann oder Frau, ob weiß oder schwarz, einander gleichgestellt und sind einander gegenüber in keinem Aspekt erhaben.

Allein Tugenden und die Einhaltung menschlicher und göttlicher Werte gehören zu den Aspekten, welche die Menschen voneinander unterscheiden. Je mehr moralische Werte ein Mensch besitzt, je mehr menschliche Prinzipien er einhält und je mehr er sich um Ehrlichkeit und die Hilfe anderer Menschen gegenüber bemüht, umso wertvoller ist er. Der heilige Koran offenbart nämlich folgendes: "O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig. "  (Al-Hujurat | 49:13)

Der Mensch wird nach seiner Geburt mit allen guten und schlechten Dingen der Welt konfrontiert. Zur Erlangung der Erlösung, muss er sich darum bemühen, die göttlichen Werte zu erlangen und seine Talente auf diesem Weg zu entfalten. Nach dem Islam ist kein Mensch schlecht geboren, sondern auf Basis eines monotheistischen Wesens erschaffen worden und daher in ihrem Wesen gut. "[...](gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat." (Ar-Rum | 30:30). Und alle Menschen besitzen Weisheit aufgrund der Tatsache, dass der allmächtige Gott sie erschaffen hat.

Mit diesen Eigenschaften besitzen die Menschen bestimmte Rechte und Verantwortungen. Da sie sich alle im Rahmen des monotheistischen Systems bewegen, sollten diese Rechte und Verantwortungen auch bewahrt und beschützt werden. Als Kinder Adam und Evas sind auch alle Menschen Brüder und Schwestern und sollten daher einander gegenüber Verantwortungsgefühl empfinden und sich geschwisterlich verhalten und die Probleme anderer auch als ihre eigenen Probleme erachten und ihre Verantwortung ernst nehmen und sich um einander kümmern. Aus islamischer Sicht sind alle Muslime dazu verpflichtet, die Rechte anderer einzuhalten und falls sie ihnen diese verwehren, so werden sie dafür zur Verantwortung gezogen.

Es ist offensichtlich, dass alle Probleme innerhalb der menschlichen Gesellschaft sich auflösen würden, wenn sich auch alle Menschen an ein solches Gesetz halten könnten. Leider ist diese menschliche Betrachtungsweise in der Vergangenheit verblasst und hat dazu geführt, dass die spirituellen Thematiken des Individuums und der Gesellschaft der Menschen vernachlässigt wurden.

Aus diesem Grund hat seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), Herrn Malek gegenüber folgendes geäußert: "Die Menschen sind in zwei Gruppen eingeteilt; entweder sind sie deine Religionsbrüder oder sie sind Menschen, ebenso wie du es einer bist. Und aus diesem Grund muss ihre Privatsphäre und Intimität geschützt und bewahrt werden. Daher liegt es in der Verantwortung der Gesellschaftsführer, ihre Bürger von ganzem Herzen zu mögen und diese Zuneigung auch praktisch umsetzen."

Aus diesem Grund ist der Besitz eines brüderlichen Geistes aus islamischer Sicht nicht nur ein moralisches Gebot und eine moralische Predigt, sondern ein Gebot, welches juristische Dimensionen besitzt, sodass jeder Mensch, der die Rechte seiner Religionsbrüder und anderer Menschen nicht einhält, zur Verantwortung gezogen und auch bestraft wird.



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