Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 74370
Datum der Veröffentlichung : 5/10/2015 1:02:04 PM
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Islamkunde 144 - Islam und Menschenrechte 20

Freitagsansprache vom 08. Mai 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Es erscheint so, dass es notwendig ist, in der Allgemeinen Globalen Menschenrechtserklärung, die Haltung des Einzelnen in Bezug auf Gott, der Welt und dem Menschen selbst große Beachtung zu schenken – denn ohne diesen grundlegenden Dingen die erforderliche Beachtung zu schenken, kann man keine genaue und umfassende Analyse in solch einer Erklärung herbeiführen. In Wahrheit sind einige der Differenzen diesbezüglich auf die verschiedenen Arten die Natur und die Identität des Menschen zu analysieren, zurückzuführen. Beispielsweise ist im dritten Artikel jener Menschenrechtserklärung das persönliche Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit definiert, jedoch ohne jegliche Bedingung hierfür zu setzen - obwohl an anderen Stellen der Erklärung Einschränkungen dieser Freiheit und weiteren Aspekten erwähnt werden. Wünschenswert wäre es gewesen, dass  beim Verfassen dieser Menschenrechtsartikel präzisere Interpretationen ohne Mehrdeutigkeit verwendet worden wären, sodass es nicht möglich wäre, dass jeder eine eigene Auffassung und Interpretation diesbezüglich annehmen kann.

Aus diesem Grund wird deutlich, dass viele dieser definierten Artikel nicht umfassend akzeptabel sind, da sie in der Praxisebene zu Problemstellungen führen. Betrachtet man beispielsweise das Recht auf Leben, so definiert der Islam das Leben nicht ausschließlich über die materielle Ebene, sondern umfasst ebenso die spirituelle Dimension des Lebens. Ein weiterer Aspekt ist beispielsweise die Freiheit des Einzelnen, welche im Islam auf Grundlage der Vernunft basiert. Die vernünftige Freiheit ist jene Freiheit, die für die Entwicklung der Menschen für niemanden zu leugnen ist. Daher ist es aus der Sicht der islamischen Lehren so, dass der Mensch nicht frei sein kann in Aspekten, die mit den menschlichen Prinzipien und Grundlagen wiedersprechen, sowie dem Zustand der Menschen schaden.

Daher wurden für das Gesprochene, das Gehörte, das Gegessene, das Getrunkene, den Arten der Beziehungen, dem Befriedigen der Gelüste und der Gewaltanwendung gewisse Gesetze und Anordnungen definiert, welche beachtet werden müssen. Wenn man also sagt, dass jeder Mensch frei ist, zu tun was er auch immer will, solange er nur keinem anderen schadet – so ist das Fazit hiervon die Zügellosigkeit des Einzelnen und nicht die Erklärung eines Menschenrechtes. Stattdessen wird im Islam nicht nur auf die Rechte der Menschen hingewiesen und diese erläutert, sondern auch der Rechtleitung und Entwicklung der Menschen Beachtung geschenkt.

So widmet sich der Islam den Menschenrechten auf eine Art und Weise, in welcher er die Gegebenheiten und menschlichen Ressourcen miteinbezieht. Der heilige Qur’an weist hierzu im folgenden Vers auf einen wichtigen Punkt hin: 

  كِتابٌ أَنْزَلْناهُ إِلَيْكَ لِتُخْرِجَ النَّاسَ مِنَ الظُّلُماتِ إِلَى النُّورِ بِإِذْنِ رَبِّهِمْ إِلى‏ صِراطِ الْعَزيزِ الْحَميدِ

Die Aussage ist, dass der Qur’an herabgesendet wurde, damit der Prophet (s) gemäß seines Auftrages die Menschen zur Rechtleitung führt. Bedeutet, dass die Menschen mit der Erlaubnis des einzig wahren Gottes, durch den Propheten (s) aus den Dunkelheiten in das Licht geleitet werden. Somit ist die Beziehung zwischen dem Leben, der Freiheit und der Sicherheit im Islam eine tiefe und präzise Beziehung. Daher ist es wichtig, das Ziel und den Zweck des Lebens und der Schöpfung richtig zu erkennen und stets dem Ende dieser diesseitigen Existenz zu gedenken. Diesbezüglich ist es, dass der heilige Qur’an die Menschen direkt anspricht und sie dazu aufruft die Einladung Gottes und des Gesandten (s) zu Wahrheit anzunehmen, um ein gutes und vernünftiges Leben zu erlangen:

  يا أَيُّهَا الَّذينَ آمَنُوا اسْتَجيبُوا لِلَّهِ وَ لِلرَّسُولِ إِذا دَعاكُمْ لِما يُحْييكُم

Dies bedeutet, dass die Freiheit des Menschen, selbst in der individuellen Hinsicht Beschränkungen haben muss und nicht völlig bedingungs- und zügellos sein darf.
Leider lassen einen Über- und Untertreibung bei der Wahl des Lebensweges vom eigentlichen Weg abweichen und in einem Leben bestimmt durch Materialismus untergehen.

Wieso wollen wir nicht verstehen, dass der Mensch eine wahrhaftige Würde besitzt, welche nicht an die vergänglichen materiellen Dinge des Lebens gebunden ist?

Wir dürfen uns also nicht an komplizierten Definitionen und Formulierungen aufhalten, sondern müssen vielmehr die Gesetze und Regelungen so aufstellen, dass der Mensch nach dem Erlangen seines Rechtes, das Gefühl von Ehre, Würde und Entwicklung, sowohl geistlicher als auch moralischer Natur, empfindet.

Wir müssen letztendlich akzeptieren, dass der Mensch dem Unbelebten, den Pflanzen und Tieren nicht gleicht, sondern breite Unterschiede aufweist. So hat der Mensch seine eigene besondere Art der Vervollkommnung und Glückseligkeit, des Lebens und der Freiheit – und alle sind gefordert, sich zu bemühen, den Menschen diese Bedeutung zu verdeutlichen und alle Gesetze und alle anderen Aspekte bezüglich der Menschen, im Kontext der wahren Stellung des Menschen zu betrachten.
Hiermit wird klar, dass der Mensch – Mensch ist und nicht Sklave eines anderen, somit darf keine Gesellschaft hervorgebracht werden, in denen Handel mit Sklaven herrscht. Dies ist auch im vierten Artikel der Menschenrechtserklärung erwähnt. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass man in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten, bei Personen die in Gefangenschaft genommen werden, die Gesetze der Menschlichkeit anwenden muss und ebenso Kindern, Frauen und Greisen kein Unrecht oder Folter antun darf – und die Menschenwürde aller respektieren muss.
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[1][1] Qur’an [Sure Ibrahim, Vers 1]

[2][2] Qur’an [Sure Anfal, Vers 24]

 



 

 


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