Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 74850
Datum der Veröffentlichung : 5/19/2015 11:18:24 AM
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Islamkunde 145 - Islam und Menschenrechte 21

Freitagsansprache vom 15. Mai 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Der Islam schätzt jede lebendige Existenz, seien es Pflanzen, Tiere oder vor allem Menschen, wert und hat aus diesem Grund für jedes dieser Existenzen Rechte vorgesehen. Beispielsweise wird die Wichtigkeit der Bewahrung der Natur aus Sicht des heiligen Qur’ans, dadurch erkenntlich, dass die Natur als Bestandteil der Barmherzigkeit Allahs betrachtet wird. Dies wird in folgendem Vers deutlich:

فَانْظُرْ إِلى‏ آثارِ رَحْمَتِ اللَّهِ كَيْفَ يُحْيِ الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِه[1]ا

„Schau doch auf die Spuren von Allahs Barmherzigkeit, wie Er die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht.“

Klar ist somit auch, dass die Tierwelt, welche auf Ebene der Existenz höher als die Pflanzen eingestuft ist, somit noch mehr von der göttlichen Barmherzigkeit eingeschlossen und berücksichtigt wird. Aufgrund dessen, darf niemand sie in ihrer Existenz behindern. Über die Existenz der Menschen wird weitergehend im heiligen Qur’an gesagt:

وَ لاتَقْتُلُوا أَنْفُسَكُمْ إِنَّ اللَّهَ كانَ بِكُمْ رَحيماً [2]

„Und tötet euch nicht selbst (gegenseitig). Allah ist gewiss Barmherzig gegen euch.“

So ist es, dass jeder Anteilhaber an der materiellen Existenz durch die göttliche Barmherzigkeit entstanden ist. Bezüglich der Existenz der Pflanzen- und Tierwelt wurden im Islam viele Rechte definiert, welche man über die Quellen studieren kann. [3]

Um an dieser Stelle nur eine Überlieferung zu nennen, welche von Imam As-Sadiq (as) und darüber hinaus von Imam al-Baqir (as) überliefert wurde, betreffend der Jagd von Tieren zum Vergnügen. Sie nannten ein solches Vorhaben, welches nicht die Intention hat benötigte Nahrung dadurch zu erhalten, sondern nur dem Vergnügen dient – eine Sünde und ein Vergehen.

Von Imam al-Baqir (as) wird überliefert, dass er sagte:

 سَأَلْتُهُ عَمَّنْ‏ يَخْرُجُ‏ عَنْ أَهْلِهِ بِالصُّقُورَةِ وَ الْبُزَاةِ وَ الْكِلَابِ يَتَنَزَّهُ‏ اللَّيْلَتَيْنِ وَ الثَّلَاثَةَ هَلْ يَقْصُرُ مِنْ صَلَاتِهِ أَمْ لَا يَقْصُرُ قَالَ إِنَّمَا خَرَجَ فِي لَهْوٍ لَا يَقْصُر [4]

Ein Mann verlässt sein Haus und nimmt einen Adler und einen Hund mit zur Jagd und hat einen Tag oder Zwei Vergnügen daran – soll diese Person sein Gebet vollständig beten oder verkürzt?
Der Imam (as) antwortete: „ Da er aufgrund von Vergnügen das Haus verlassen hat, muss er sein Gebet vollständig beten.“ Darüber hinaus wird von Imam as-Sadiq (as) berichtet, dass er sagte: „Wenn jemand wegen der Versorgung seiner Familie das Haus verlässt und auf Jagd geht, so soll er sein Gebet verkürzt beten, und wenn es aus Zügellosigkeit geschieht, so muss er sein Gebet vollständig beten.“ [5]

Immer wenn der Islam sich dem Thema der Existenz der Menschen widmet, so erkennt man, dass es stets eine verteidigende Haltung gegenüber der Existenz einnimmt. So ist es beispielsweise niemandem erlaubt, einen heranwachsenden Fötus abzutreiben. Derjenige, der dies dennoch tut, ist verpflichtet Blutgeld zu zahlen für den Zeitraum ab der Befruchtung der Eizelle, bis zur Abtreibung. Darüber hinaus wird aus eindeutigen Versen der Sure al-Maida [6] und vielen authentischen Überlieferungen[7] klar, dass das Zufügen von Schaden am menschlichen Leben, als Verbrechen gezählt wird und derjenige, als Verbrecher gezählt und dafür bestraft werden muss.

Wegen diesen genannten Beweisen ist es niemanden gestattet, seiner eigenen Existenz oder der anderer, Schaden zuzufügen – daher ist es auch in der islamischen Rechtsprechung definiert, dass wenn man die Möglichkeit jemanden vor Schaden in einer Situation zu retten bzw. sein Leben zu retten, man verpflichtet ist, sich zu bemühen ihn mit jedem notwendigem Mittel zu retten. In keinem Fall duldet der Islam Gleichgültigkeit gegenüber dem Retten eines Menschenlebens.

So ist es, dass in dem Fall, in der man einem Menschen retten könnte, dies jedoch nicht tut und die jeweilige Person stirbt oder getötet wird, derjenige, der die Hilfe unterlassen hat ein Verbrecher ist und für den Fall, dass dies bewiesen, wird, bestraft werden muss. Aus dem gleichen Grund ist es, dass der Islam deutlich davor warnt, Selbstmord zu begehen, da diese Tat natürlich noch schlimmer ist. Allah sagt daher im heiligen Qur’an:

لَاتَقْتُلُواْ أَنفُسَكُمْ إِنَّ اللَّهَ كاَنَ بِكُمْ رَحِيمًا وَ مَن يَفْعَلْ ذَالِكَ عُدْوَانًا وَ ظُلْمًا فَسَوْفَ نُصْلِيهِ نَارًا وَ كَانَ ذَلِكَ عَلىَ اللَّهِ يَسِيرًا[8]

„O die ihr glaubt, zehrt nicht euren Besitz untereinander auf nichtige Weise auf, es sei denn, daß es sich um einen Handel in gegenseitigem Einvernehmen handelt. Und tötet euch nicht selbst (gegenseitig). Allah ist gewiss Barmherzig gegen euch.“

Klar ersichtlich ist, dass dieser Vers allgemein gilt und jegliches Töten miteinschließt, unter anderem den Selbstmord. Dies bestätigen auch die authentischen Überlieferungen, welche diesen Vers zur Beweisführung heranziehen. um das Verbot dieser Tat zu zeigen. Von Imam as-Sadiq (as)  wird überliefert, dass er sagte:

مَنْ قَتَلَ نَفْسَهُ مُتَعَمِّداً فَهُوَ فِي نَارِ جَهَنَّمَ خَالِداً فِيهَا قَالَ اللَّهُ عَزَّ وَ جَلَ:‏ وَ لاتَقْتُلُوا أَنْفُسَكُمْ‏ إِنَّ اللَّهَ كانَ بِكُمْ رَحِيماً وَ مَنْ يَفْعَلْ ذلِكَ عُدْواناً وَ ظُلْماً فَسَوْفَ نُصْلِيهِ ناراً وَ كانَ ذلِكَ عَلَى اللَّهِ يَسِيراً [9]

Imam as-Sadiq (as) sagte, dass derjenige, der sich selbst tötet, im ewigen Feuer und in der ewigen Hölle verbleibt.

Der allmächtige Gott sagt, tötet euch nicht! So sagt Imam al-Baqir (as) ebenfalls, egal mit welchem Leid der Gläubige konfrontiert wird und auf welche Art er auch sterben sollte, Selbstmord jedoch begeht er nicht.

إِنَّ الْمُؤْمِنَ يُبْتَلَى بِكُلِّ بَلِيَّةٍ وَ يَمُوتُ بِكُلِّ مِيتَةٍ إِلَّا أَنَّهُ لَا يَقْتُلُ‏ نَفْسَهُ[10]

Durch das Studieren der islamischen Anordnungen wird deutlich, dass der Islam hier das größte Augenmerk auf das Erhalten und Verteidigen des menschlichen Lebens und der Existenz gesetzt hat – überall dort, wo ein Mensch und seine Existenz Schaden nehmen könnten, ist der Islam da und bringt ein entsprechendes Urteil.

Um dies mit einem letzten Beispiel zu zeigen, folgendes: Wenn ein Mensch gezwungen wird, einen anderen Menschen zu töten und ihm gedroht wird, dass man ihm sonst sein eigenes Leben nimmt, so darf er dennoch diese Tat nicht ausführen. Es ist auch in keinem anderen Fall für ihn erlaubt, dass wenn er die Möglichkeit hat, sich für die Rettung eines Lebens einzusetzen, er zuschaut wie jemand stirbt oder getötet wird.[11]








[1] Heiliger Qur’an (30 : 50)

[2] Heiliger Qur’an (4 : 29)

[3] Allamah Muhammad Taqi Jafari, Tafsir Nahjul Balagha Band 12, Seite 158 ff.

[4] Wasail Shia Band 19, Seite 6

[5] selbe

[6] Heiliger Qur’an (5 : 32)

[7] Wasail Shia Band 19, Seite 8

[8] Heiliger Qur’an (4 : 29-30)

[9] Wasail Shia Band 29, Seite 24

[10] selbe

[11] Wasail Shia Band Band 19, Seite 483, 35, 36


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