Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 94723
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 2:09:45 PM
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Islamkunde 158 - Islam und moralische Rechte 3


Freitagsansprache von 09.10.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In der "Abhandlung der Rechte" (Risalat al- Huquq) des Imam Sajad (A.S.), in welcher eine komprimierte Reihe von Diskussionen über moralische Rechte und Menschenrechte aufgeführt ist, kann man die detaillierteste Diskussion in Bezug auf die Menschenwürde erlangen. Seine Exzellenz (A.S.) weist zunächst darauf hin, dass jede Bewegung, welche vom Menschen ausgeführt wird, und jeder Körperteil des Menschen bestimmte Rechte umfassen, unter denen einige erhabener sind als andere; und dass die Einhaltung jedes einzelnen dieser Rechte - vom Recht des allmächtigen Gottes und den Rechten jedes einzelnen Körperteils und jeder Tat und Handlung bis hin zu den Rechten in Bezug auf die Gesellschaft, wie beispielsweise das Recht des Freundes und des Verwandten und der Untergeordneten und der gerechten Herrscher usw. ... - eine bedeutende und tragende Rolle in der Ordnung und Sicherheit und Erlangung der menschlichen Ideale spielen kann.

Nach einem Exkurs über die ersten und bedeutendsten Rechte, welche die Rechte des allmächtigen Gottes bilden, weist seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), auf das Recht des Individuums hin und äußerte folgendes: "Dein individuelles Recht liegt jedoch darin, dass du es vollkommen und ganz und gar der Demut des allmächtigen Gottes gegenüber widmest. Setze also die Rechte deiner Zunge und deiner Ohren und deiner Augen und deiner Hände und deiner Füße und deines Bauches und deines Rockes um und bitte den allmächtigen Gott bei der Ausführung ihrer Rechte um Hilfe. Wenn nämlich die Ausführung dieser Rechte akkurat und auf korrekte Art und Weise erfolgen soll, so muss man den allmächtigen Gott um Hilfe bitten, damit dieser uns mit der Fähigkeit zur richtigen Durchführung und Umsetzung dieser Rechte segnen kann."

Im heiligen Koran wird der Begriff "Wesen" sehr oft und mit unterschiedlichen Bedeutungen, wie zum Beispiel in der Bedeutung des Geistes oder der Seele[1], des Wesens oder der Natur[2], des Herzens und des Inneren[3] verwendet. In der Sprache der Philosophie wird das Wesen in drei Gruppen unterteilt: das pflanzliche Wesen, das tierische Wesen und das menschliche Wesen. Die unterschiedlichen Stufen und Zustände, welche dem Wesen widerfahren können, obgleich es sich um Ränge und Vollkommenheit oder Niedergang und Gemeinheit handelt, besitzen auch je nach ihrem Wert einen bestimmten Namen.

In Bezug auf ein starkes Verlangen nach Vergnügungen und tierischer Wollust wird das Wesen beispielsweise "نفس اَمّارة" ("Nafs Ammarah") genannt. Wenn ihm unangepasste und hässliche Taten aufgrund der Prävalenz seiner Wollust als gute und schöne Taten erscheinen, wird es "نفس مُزیِّنه" ("Nafs Mozayyenah") genannt. Wenn es für die Erlangung seiner tierischen Ziele Arglist und Heimtücke einsetzt und betrügerische Facetten bei der Durchführung seiner Handlungen an den Tag legt, wird es "نفس مسوّلة" ("Nafs Mosavvalah") genannt. Wenn es nach der Ausführung einer unangebrachten Handlung zu seinem Wesen und seiner Natur zurückkehrt und sich rügt, so wird es "نفس لوّامة" ("Nafs Lavamah") genannt.

Wenn es seine Lüsternheit und seinen Zorn mäßigt und sich dem Genuss des Verstandes widmet, so wird es "نفس مطمئنّة" ("Nafs Motmaenah") genannt. Und wenn es sich der Demut und der Zufriedenheit seines geliebten hingibt und die eigenen Bedürfnisse unter die Bedürfnisse seines Geliebten stellt, so wird es "نفس راضیة" ("Nafs Razieh") und "نفس مرضیّة" ("Nafs Marzieh") genannt.[4] Der Name und Begriff "Nafs Razieh" bezieht sich jedoch auf die Zufriedenheit seitens des Geschöpf Gottes in Verbindung auf all die Dinge, welche den Geboten des allmächtigen Gottes unterliegen; und der Begriff "Marzieh" bezieht sich auf die Äußerung der Zufriedenheit seitens des allmächtigen Gottes in Verbindung zu seinem Geschöpf, welches einen solchen Stellenwert erlangt hat "Allah hat an ihnen Wohlgefallen, und sie haben Wohlgefallen an Ihm; das ist die große Glückseligkeit." (Al- Ma'ida | 5: 119).

Und das ist der Moment, an dem der Mensch als Geschöpf Gottes vom allmächtigen Gott folgendermaßen angesprochen wird:

" O du ruhige Seele! Komm zufrieden zurück zu deinem Herrn und mit (Allahs) Wohlwollen, so schließ' dich dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies." (Al- Fadjr | 89: 27-30).

Im heiligen Koran werden auch diese unterschiedlichen Stufen angesprochen. Wenn der Mensch beispielsweise ein Verlangen nach Wollust spürt, so wird dieser Zustand im heiligen Koran "Amareh" genannt; ein Zustand, der den Menschen auf den Weg der Unangemessenheiten, welche wesensbezogene Quellen besitzen, führt; man sollte sich vor der "Nafs Amareh" distanzieren und sich in Richtung des allmächtigen Gottes bewegen und bei diesem Schutz finden, wie auch der heilige Koran folgendes offenbart: " Und ich behaupte nicht, dass ich unschuldig bin; denn das (Menschen-)Wesen gebietet oft Böses; davon sind jene ausgenommen, derer mein Herr Sich erbarmt. Wahrlich, mein Herr ist Allverzeihend, Barmherzig. " (Yusuf | 12: 53). Und in einem anderen heiligen Vers wird folgendes offenbart: " Wer aber das Stehen vor seinem Herrn gefürchtet hatte und die eigne Seele von niederem Gelüst abhielt, so wird das Paradies sicherlich (seine) Herberge sein. " (An- Nazi'at | 79: 40-41).

Eben dieses Wesen erlangt manchmal eine Stufe, in der es dem Menschen unangebrachte und schlechte Taten als gute darstellt und diesen sogar zur Durchführung einer schlechten und unangemessenen Tat motiviert. Der heilige Koran offenbart zahlreiche Beispiele für diesen Zustand, wie beispielsweise die Beziehung von Yusuf (A.S.) und seinem Bruder[5] oder die Geschichte des Volkes Moses (A.S.)[6], welche die Motivation und Überredung des Wesens zu schlechten Taten widerspiegelt.

Der heilige Koran weist auch auf den anderen Zustand des Wesens hin, in dem das Wesen den Menschen stets vor der Durchführung unangemessener und schlechter Taten bewahrt und ihn rügt und dieser Zustand stellt das moralische Gewissen des Menschen dar, welches dem Menschen hilft, die Orientierung an schlechten Taten zu vermeiden. Es erinnert den Menschen nämlich stets daran, dass sie durchgeführte Tat und Handlung schlecht und unangebracht ist. Aus diesem Grund schwört der heilige Koran in Bezug auf diese Stufe des Wesens und offenbart folgendes: " Ich schwöre beim Tag der Auferstehung und Ich schwöre bei jeder reumütigen Seele." (Al- Qiyama | 75: 1 und 2).

Aus der Interpretation seiner Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), kommt hervor, dass man das Wesen vollkommen kennen und sich um die akkurate Erziehung und Bildung dieses Wesens kümmern sollte. Wenn das menschliche Wesen sich nämlich nicht auf dem akkuraten Weg der Erziehung bewegt, so verliert der Mensch seinen wahrhaftigen Stellenwert in vollem Umfang.



[1] " Allah nimmt die Seelen (der Menschen) zur Zeit ihres Sterbens (zu Sich) und (auch die Seelen) derer, die nicht gestorben sind, wenn sie schlafen." (Az- Zumar | 39: 42).

[2]  " Und meidet den Tag, an dem kein Wesen für eine andere bürgen kann. " (Al- Baqara | 2: 48).

[3] " Und gedenke deines Herrn in deinem Herzen in Demut und Furcht, ohne laut vernehmbare Worte am Morgen und am Abend " (Al- A'raf | 7: 205).

[4] Mirza Mahdi Elahi Ghomshei. Hekmat Elahi Aam va Khas. S. 31 und 32.

[5] " Und sie hatten falsches Blut auf sein Hemd gebracht. Er sagte: "Nein, ihr habt das geplant. Doch schön geduldig sein. Und Allah sei um Hilfe wider das gebeten, was ihr beschreibt." " (Yusuf | 12: 18).

[6] " Er sagte: "lch bemerkte, was sie nicht wahrnehmen konnten. Da faßte ich eine Handvoll Erde von der Spur des Gesandten und warf sie hin. So habe ich es mir selber eingeredet." " (Ta-Ha | 20: 96).



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