Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 2:15:50 PM
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Islamkunde 160 - Islam und moralische Rechte 5


Freitagsansprache von 06.11.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In seinen kenntnisreichen Reden in Bezug auf "das Recht des Individuums" äußert seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), folgendes: "Du musst dieses Recht allein für die Befolgung und Bindung zum allmächtigen Gott verwenden [und es auf diejenige Art und Weise einsetzen, wie der allmächtige Gott es gebietet]."[1] Diese Betrachtungsweise in Bezug auf das Wesen und das Individuum ist jedoch sehr bedeutend, da man beachten sollte, dass der allmächtige Gott unser Schöpfer ist und uns rechtmäßig erschaffen hat, damit wir uns aufgrund unserer Schöpfung bemühen.

Zweifellos hat der allmächtige Gott uns, unter Beachtung der aktuellen Sammlung der Kapazitäten, nicht dazu erschaffen, uns der Verderbtheit hinzugeben und ein grenzenloses und sinnloses Leben zu führen. Wir sollten nämlich den Zweck unserer Schöpfung, der eben in der Erlangung der optimalen Vollkommenheit liegt, erkennen und uns darum bemühen, alle Kapazitäten auf diesem Weg auszuschöpfen. Seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), hat nämlich folgendes geäußert: Wir müssen uns dem allmächtigen Gott in vollem Umfang hingeben. Dies bedeutet aber nicht, dass wir nicht leben sollen. Im Gegenteil – der Mensch muss in dieser göttlichen Welt leben und all die Dinge, die ihm in seinem Leben widerfahren, auf den Weg der Hingabe und Demut dem allmächtigen Gott gegenüber leiten und anpassen.

Die Eheschließung und die Gründung einer Familie, die Liebe zu einer anderen Person, das Essen und Trinken, der Dienst gegenüber der Gesellschaft und auch sämtliche Arten von Beziehungen können diese Orientierung erzeugen und gründen. Obgleich in der Verbindung des Menschen zum allmächtigen Gott, oder der Verbindung des Menschen zu anderen Menschen oder sogar der Verbindung des Menschen zu seiner Umgebung. Diese Thematik (also das Recht des Individuums) zählt zu den sehr bedeutenden Aspekten, denen Beachtung geschenkt werden sollte. Das Leben erlangt nämlich erst dann seine wahre Bedeutung, wenn es sich auf dem wahrhaftigen Weg bewegt und sich daran orientiert. Für diese große Aufgabe sollte man den allmächtigen Gott aber um Hilfe und Unterstützung bitten. Und der allmächtige Gott wird uns Menschen seine Hilfe zweifellos zuteil kommen lassen.

Aus diesem Grund ist es bedeutend, dass unser Wesen auf akkurate Weise erkannt und erzogen wird. Wie soll man nun diese bedeutende Aufgabe erfüllen und das Ziel erlangen? In Folge seiner Rede in Bezug auf das Recht der unterschiedlichen Körperteile des Menschen weist seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), darauf hin, dass die Körperteile des Menschen erst dann auf akkurate Art und Weise erzogen werden, wenn der Mensch sich auf den Weg der Vollkommenheit begibt.

Das Recht der Zunge

Im Anschluss an seine Rede, weist seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), auf das Recht der Zunge hin und äußert folgendes: "Das Recht der Zunge liegt nicht darin, dass du sie daran gewöhnst, Schimpfwörter auszusprechen; du solltest sie nämlich vielmehr an die Aussprache von guten und angemessenen Worten gewöhnen. Halte sie stets höflich und halte deine Zunge auch im Mund, außer an Orten, an denen du einen Wunsch zum Ausdruck bringst und zum Vorteil der Religion und der Welt sprichst! Und vermeide und distanziere dich von unsinnigen, unangebrachten und nutzlosen Worten, über dessen Konsequenzen und Nachteile du dir nicht im Klaren bist und dessen Ergebnis klein gehalten ist. Die Zunge stellt den Beweis für die Weisheit dar und zählt zu deren Begründung. Und die Ausschmückung des Wissenden und Gelehrten liegt im Rahmen seines Wissens und Verstandes und die Schönheit des Verhaltens eines Menschen liegt in seiner Zunge und seiner Sprache verborgen. Und es gibt keine weitere Hilfsquelle, als den allmächtigen Gott." [2]

Eine Untersuchung dieser Überlieferungen zeigt auf, dass seine Exzellenz (A.S.) mit dem Recht der Zunge begann. Als Imam Ali (A.S.) in der Predigt Motaghin in seiner Nahjul Balagheh über die Besonderheiten der Parsianer spricht, äußert er nämlich folgendes: "مَنطِقُهُمُ‏ الصَّوَاب" [3]"Dass sie über einen richtigen und wahren Verstand und Worte verfügen und in Wirklichkeit auf akkurate Art und Weise von der Zunge Gebrauch machen."

Es ist offensichtlich, dass man diese Körperteile und Körperglieder im praktischen Verhalten richtig und akkurat erziehen sollte. Viele Sünden und Fehltaten erfolgen nämlich mittels genau dieser 7 Körperteile der Sinne. In seinem praktischen Verhalten sollte der Mensch nämlich keine Reden schwingen, sondern sich in Bezug auf sein Verhalten selbst erziehen. Der allmächtige Gott beschenkt den rechtschaffenen Menschen nämlich allein aufgrund seiner praktischen Bemühungen mit seinem göttlichen Segen.

Wenn die Zunge nicht richtig erzogen wird, so führt sie zu zahlreichen Sünden. Einige sehen die Zunge nämlich als Begründer von 20 bis hin zu über 100 Sünden an. Diese Zunge, die nämlich als größter Segen des allmächtigen Gottes an die Menschheit erachtet wird: " Er hat den Menschen erschaffen. Er hat ihm das deutliche Reden beigebracht." (Ar- Rahman | 55: 3-4), zählt nämlich auch zu einem Faktor zur Erkennung des Menschen. Imam Ali (A.S.) äußert in diesem Zusammenhang folgendes: "Ein wahrer Mann bleibt hinter seiner eigenen Zunge verborgen."[4] An einer anderen Stelle äußert seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), auch folgendes:                           "Sprecht, damit ihr erkannt werdet. Also stimmt es, dass ein Mensch oder ein Mann sich hinter seiner Zunge verbirgt."[5] 

Zweifellos gehört die Zunge in Bezug auf die Güte und Verderbtheit innerhalb der Gesellschaft zu sehr einflussreichen Faktoren. Mit der Zunge kann man der Gesellschaft nämlich die besten menschlichen Tugenden und Werte vermitteln und lehren. Wenn die Zunge nicht auf richtige Art und Weise zum Einsatz kommt, kann sie nämlich zur Verderbtheit des Individuums und der Gesellschaft führen. Manchmal sprechen Politiker nämlich einen Satz aus, der zum Krieg zwischen Völkern führt und hierbei sterben viele unschuldige Menschen. Aus diesem Grund sollte man die Zunge in diejenige Richtung erziehen und leiten, von der seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), gesprochen hat; damit dem Menschen die Grundlage für seine Entwicklung und Vollkommenheit geboten wird.

Der Mensch sollte sich daran gewöhnen, gut und höflich zu sprechen und es zu vermeiden, Unsinn zu sprechen, zu lästern, Verleumdungen auszusprechen, beim Sprechen zu übertreiben, schlecht über andere zu sprechen, andere zu beschimpfen oder Ähnliches. Man muss auch stets die Konsequenzen der Zunge beachten und sich um deren Bekämpfung bemühen. Aus diesem Grund erwähnen die Gelehrten der islamischen Moral mittels Verwendung von Koranversen und Überlieferungen Wege zur Bekämpfung und zum Widerstand gegen die großen Konsequenzen und Folgen. Unter anderem sind sie davon überzeugt, dass es für den Menschen manchmal besser wäre, das Schweigen als besten Weg zu wählen.

In einer Überlieferung von Safvan Ibn Salim über den edelmütigen Propheten des Islam (S.A.S.) steht, dass seine Exzellenz (S.A.S.) in diesem Zusammenhang folgendes offenbarte: "Soll ich euch über die einfachste und leichteste Art der Anbetung des menschlichen Körpers informieren? Zum einen das Schweigen und zum anderen die Anständigkeit in der Moral."[6]

Außerdem wurde den Menschen empfohlen, nicht über Dinge zu sprechen, die keinen Sinn und Nutzen haben. Aus den erkenntnisreichen Aussagen des edelmütigen Propheten des Islam (S.A.S.) kann man auch vieles mitnehmen. Beispielsweise äußert seine Exzellenz (S.A.S.) folgendes: "Die islamische Schönheit und Anständigkeit eines muslimischen Mannes liegt darin, dass er sinnlose und unnötige Reden vermeidet."[7] Außerdem wurde empfohlen, nur im Rahmen und Ausmaß des Wunsches zu sprechen. Der edelmütige Gesandte Gottes (S.A.S.) hat nämlich folgendes geäußert: "Selig ist derjenige, der sich in seiner Sprache und seinem Reden zurückhält, das endlose Reden vermeidet und das Überschüssige seines Reichtums an Bedürftige spendet."[8]

Des Weiteren [wurde empfohlen,] Konflikte und Streitigkeiten strengstens zu vermeiden. Der edelmütige Gesandte (S.A.S.) äußert in diesem Zusammenhang nämlich folgendes:

" لَايَسْتَكمِلُ‏ عَبْدٌ حَقِيقَةَ الإِيمَانِ حَتَّى يَدَعَ‏ المِرَاءَ وَ إِنْ كَانَ مُحِقّا"

"Der Mensch erlangt die Wahrheit des Glaubens nicht, wenn er Streitigkeiten und verbale Auseinandersetzungen nicht vermeidet, außer seine Grobheit und seine Argumente sind rechtens."[9]

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Menschen, welche dabei sind, ihre Zunge zu erziehen, nur im Rahmen der Erforderlichkeit sprechen und stets eine höfliche Sprache verwenden. Sie sollten auch niemanden mit ihrer Zunge auslachen oder verspotten. Außerdem sollten sie unangebrachte Witze und Scherze vollkommen vermeiden. Ihre Zunge sollten sie auch daran gewöhnen, ehrliche Aussagen zu treffen und Lügen zu vermeiden.

Wenn die Rechte der Zunge auf korrekte Art und Weise erkannt werden und der Mensch sie auf dem Weg der Tugend einsetzt und die Ratschläge und Empfehlungen seiner Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), sehr genau einhält und sich danach richtet, so erfüllt der Mensch in Wirklichkeit die Rechte der Zunge und hält sie rechtgemäß ein. Außerdem sollte man moralische Niederträchtigkeiten, welche durch die Zunge geäußert werden, strengstens vermeiden. Des Weiteren sollte man beachten, dass die Zunge den Beweis und Beleg für die menschliche Weisheit und den menschlichen Verstand darstellt. Und die Ausstattung eines verständnisvollen und intelligenten Menschen darin liegt, dass er stets freundlich, nett und höflich spricht. Außerdem sollte der Mensch zur Verwendung dieses großen göttlichen Segens den allmächtigen Gott um Hilfe bitten und dieses göttliche Geschenk und Segen mit Training und Erfahrung einsetzen.



[1] Sheykh Sadough,  Man La Yahzorohu Al-faghih. Bd. 2. S. 619.

[2] Ibn Shobeh Harani, Hassan Ibn Ali. Tohaf Al-ughool. S.256. Qom. Jame’eh Modaresin. 2. Auflage. 1404 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[3] Nahjul Balagheh. Predigt 193.

[4] (Ibn Babouyeh, Mohammad Ibn Ali. Ayoon Akhbar Alreza (A.S.). Bd. 2. S. 54. Hadith 204.

[5] Nahjul Balagheh. Weisheit 392.

[6] Ibn Abi Aldonya. Alsamt va Adab Allesan. S. 43. Hadith 27. Untersuchung von Abu Eshagh Alhoveyni. Beyrut. 1. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung. und Alfeyz Alkashani. Almahjat Albeyza Fi Tahzib Alahya. Bd. 5. S. 194. Überarbeitung von Ali Akbar Ghafari. Qom. Islamischer Verlag. 2. Auflage. O.J.

[7] Mofid, Mohammad Ibn Mohammad. Alamali. S. 34. Hadith 9. Qom. Sheykh Mofid Kongress. 1. Auflage. 1413 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[8] Varam Ibn Abi Feras, Masoud Ibn Isa. Tanbih Alkhavater. Bd. 1. S. 108. Qom. Maktab Faghih. 1. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[9] Shahid Sani, Zeynedin Ibn Ali. Moniat Almorid. S. 171. Qom. Maktab Alelam Aleslami. 1. Auflage. 1409 islamisch-arabische Zeitrechnung.




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