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Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 16.07.2010 - Die Bedeutung des Monats Radschab (Teil 2)
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Redner: Hojjatolislam Dr. Masoumi/ Stellvertretender Imam des Islamischen Zentrums Hamburg

Die Bedeutung des Monats Radschab (Teil 2)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
 
Ich rate mir selbst und Ihnen zu Gottesfurcht. Vergangene Woche wurde gesagt, dass der Monat Radschab ein Monat der Annäherung an Gott ist, und dass die Nähe zu Gott mittels Gehorsam und Vermeiden von Sünde möglich wird, wobei der Gottesfurcht eine wichtige Rolle zukommt. Alles, was uns aus religiösen Quellen als Wirkungen der Gottesfurcht übermittelt wurde, gilt auch für den Monat Radschab. Gottesfurcht zeigt uns Wege aus der Not und beseitigt individuelle und gesellschaftliche Probleme; aus ihr resultiert Erkenntnis und Wissen von der richtigen Nutzung der göttlichen Lehren, was uns letztlich Gott näher bringt. Dies alles sind auch Wirkungen des Monats Radschab, vorausgesetzt man bewahrt und achtet auf seine Gottesfurcht.
 
Doch was bedeutet die Nähe zu Gott? Wie verändert sich das Leben eines Menschen, wenn er Nähe zu Gott findet? Zweifellos ist damit nicht die örtliche, physische Nähe gemeint, sondern Nähe hat hier eine abstrakte Bedeutung, wie aus den folgenden Versen hervorgeht:
 
 „Und nahet nicht dem Gut der Waise…“[1]
 „Und nahet nicht dem Ehebruch…“[2]
 
Hier bedeutet „nahet nicht“, dass man sich von den genannten Dingen fernhalten muss, und die Nähe zu Gott impliziert ähnliches. Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das in der Lage ist, höchste Ränge und Vervollkommnung zu erreichen, während er zugleich auch fähig ist, das niederträchtigste Geschöpf auf Erden zu sein. Gipfel- und Tiefpunkt des menschlichen Daseins sind also weiter voneinander entfernt als bei jedem anderen Geschöpf. Der Mensch kann sich im Laufe seines Lebens endlos in beide Richtungen bewegen.
 
Gott schätzt den Menschen so sehr, dass Er Selbst ihn grüßt und Seinen Engeln dasselbe befiehlt; Er sagt auch, dass die höheren Stufen nicht nur vom edlen Propheten (s.a,s,) und den Unfehlbaren (a.s.) erreicht werden können, sondern Er sagt im Hinblick auf den Menschen:
 
 „Du Mensch! Du strebst mit aller Mühe Deinem Herrn zu; und Du sollst Ihm begegnen.[3]
 
Gott sagt zum Menschen: Du hast in der Schöpfung einen so hohen Rang, dass Ich die ganze Welt und die schönsten Lebewesen darin für Dich erschaffen habe. Du bist die Vervollkommnung der Welt, nichts kann sich zwischen uns stellen, und kein Geschöpf wird jemals höher sein als Du. Ich habe Dich für Mich Selbst erschaffen und gab Dir die Ehre, Mein Stellvertreter zu sein. Somit sind dem Wachstum und Fortschritt des Menschen keine Grenzen gesetzt:
 „Und bei Deinem Herrn wird alles enden.“[4]
 „Wahrlich, zu Deinem Herrn ist die Rückkehr.“[5]
 
Der Mensch kann sich aber eben nicht nur endlos steigern, sondern auch endlos tief stürzen, so dass er niederträchtiger wird als alle Lebewesen:
 
 „...Sie haben Herzen, und sie verstehen nicht; sie haben Augen, und sie sehen nicht; sie haben Ohren, und sie hören nicht. Sie sind wie das Vieh; ja sie sind weiter abgeirrt. Sie sind fürwahr unbedacht.“[6]
 
Gott verurteilt solche Menschen oft noch mehr:
 
 „Tod dem Menschen! Wie richtet sich der Mensch zugrunde durch schlimmste Undankbarkeit gegen Gott!“[7]
 
Der Mensch wird so unbedacht, dass er selbst Gott gegenüber eitel ist:
 
 „O Mensch, was hat dich kühn gemacht gegen deinen gnadenvollen Herrn?“[8]
 
Das wichtigste Problem der Menschen, die laut Qur’an dem Vieh gleichen, ist ihre Unbedachtheit. Zu den Verbrechen, die Menschen begehen, sind nur Menschen in der Lage. Sie ermorden Tausende ihrer unschuldigen Artgenossen und brüsten sich damit. Geht es um ihren eigenen Vorteil, greifen sie auf jede List zurück. Alle unfehlbaren Imame (a.s.) wurden aufgrund dieser Unbedachtheit und Ignoranz ermordet. Die Menschen denken nicht an Gott und begehen in ihrer Unwissenheit jedes Verbrechen; sie bringen damit sich selbst und andere an den Rand des Abgrunds. Sie erniedrigen sich selbst als Individuum und nach außen erscheinen sie entweder als mächtige Tyrannen, oder als Sklaven, die von allen benutzt werden.
 
Die Monate Radschab, Scha’ban und Ramadan bieten dem Menschen erneut eine Möglichkeit, sich von dieser Unbedachtheit zu retten und seine Aufmerksamkeit auf die absolute Vollkommenheit, das göttliche Wesen, zu richten, und das wird ihm den Weg zur Gottesnähe ebnen. Gottesnähe wird also immer durch Kenntnis gewonnen und kann nicht erreicht werden, ohne dass man Gott Achtung schenkt. Wer meint, materieller Fortschritt genüge zur Erlangung von Glückseligkeit, irrt achtlos umher; er tut damit sich selbst und anderen Unrecht, denn er entfernt sich damit nicht nur von der wahren Vervollkommnung, sondern vergisst auch sich selbst. Über solche Menschen sagt Gott:
 
 „Seid nicht wie die, die Gott vergaßen und die Er darum sich selbst vergessen ließ.
Das sind die Frevler.“[9]
 
Die Bedeutung der Gottesnähe ist auch aus ihrem Gegenteil ersichtlich: Der Mensch, der sich von Gott entfremdet hat, ist unbedacht, während gottesnahe Menschen stets aufmerksam sind und Ihn nie vergessen. Der gottesferne Mensch begeht Frevel und Sünde, während der gottesnahe Mensch die Sünde meidet, damit er in dieser Welt und im Jenseits den größten Nutzen aus den göttlichen Gaben ziehen kann. Der gottesferne Mensch leidet an einer Identitätskrise und hat sich selbst vergessen, während der gottesnahe vor allem sich selbst beachtet und nichts unternimmt, was ihm oder anderen schaden könnte.
Die Monate Radschab, Scha’ban und Ramadan sind besondere Gelegenheiten, Gott wahrzunehmen und zu finden und sich von Sünde und Frevel fernzuhalten. Mit anderen Worten stellen diese Monate eine besondere Gelegenheit dar, sich Gott zu nähern. Wir erbitten von Gott die Möglichkeit für alle Menschen, sich Ihm zu nähern und die besondere Gottesnähe zu erlangen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
 
 
 


Anmerkungen :
[1] Sure al-Isra, Vers 34.
[2] Sure al-Isra’, Vers 32.
[3] Sure al-Inshighagh, Vers 6
[4] Sure al-Najm, Vers 42.
[5] Sure Alagh, Vers 8.
[6] Sure al-A`raf, Vers 179.
[7] Sure Abass, Vers 17.
[8] Sure al-Infitar, Vers 6.
[9] Sure al-Hashr, Vers 19.

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